16.10.2017  Studie

Deutsche Start-ups brauchen Zuwanderung

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Sitzen da potentielle Start-up-Gründer?
DPA
Sitzen da potentielle Start-up-Gründer?

Gut zwei Drittel der in Deutschland ansässigen Start-ups profitieren nach eigener Aussage von der Zuwanderung. Dabei hat fast jede dritte junge Firma Probleme mit den Behörden, will sie einen ausländischen Mitarbeiter einstellen. Und die jungen kreativen Unternehmen wollen einstellen, zeigt jetzt eine neue Studie.

Die USA haben das Silicon Valley, Deutschland hat das .... ja, was denn eigentlich? Glaubt man dem jüngsten Deutschen Start-up Monitor (DSM) ist die deutsche Start-up-Szene mittlerweile weit über die Republik verteilt und zeichnet sich trotz der nach wie vor großen Anziehungskraft von Berlin durch mindestens ein halbes Dutzend Gründungs-Hotspots aus.

Als Treiber des strukturellen Wandels und Ideengeber im Zeitalter der Digitalisierung sind sie zugleich für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands und zukünftigen Wohlstand im Land enorm wichtig, ist Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries überzeugt. Bislang sammelten Start-ups laut DSM rund 2,1 Milliarden Euro externes Kapital ein. Doch die im Schnitt 11 Mitarbeiter jungen Firmen kämpfen auch mit Problemen, wie die Studie zeigt.

Fast zwei Drittel der Start-ups (64 Prozent) erklärten, dass Zuwanderung aus dem Ausland für ihr Unternehmen wichtig ist. 3 von 10 Mitarbeitern in diesen jungen Firmen haben keine deutsche Staatsangehörigkeit, in Berlin ist es sogar fast jeder zweite (47,7 Prozent) Mitarbeiter. Aber: Jedes dritte Start-up hat nach eigenen Angaben auch Schwierigkeiten bei der Neueinstellung ausländischer Mitarbeiter durch bürokratische Hürden.

"Ohne Mitarbeiter aus dem Ausland würden wir gar nicht existieren", sagte Tom Kirschbaum vom Start-up Door2Door am Montag zur Vorstellung des Berichts. Zwei Drittel der Mitarbeiter stammten nicht aus Deutschland.

Neun von zehn Start-ups optimistisch und wollen Personal einstellen

2,7 Prozent der befragten Start-ups wollen ihr Geschäft demnach weiter internationalisieren. Dabei steht bei mehr als einem Drittel Europa im Fokus: Unter 34,4 Prozent von ihnen gelten vor allem die anderen EU-Länder als attraktivstes Ziel. Hier sei die Rechtsangleichung in Europa eine große Aufgabe der Politik, sagte Zypries. Der Anteil von Frauen unter den Gründern hat sich im Vergleich zu den Vorjahren zum dritten Mal in Folge erhöht - diesmal auf 14,6 Prozent.

Der Umfrage zufolge beurteilen neun von zehn Gründern ihre Geschäftslage weiterhin optimistisch. Die im Monitor befragten Start-ups schafften im Schnitt 13,2 Arbeitsplätze (inklusive der Gründer selbst) und planten weiter Neueinstellungen: Jede dieser jungen Firmen wolle im kommenden Jahr im Schnitt 7,5 Mitarbeiter einstellen.

TU München ist Top-Gründer-Hochschule

Die meisten Gründer (81,1 Prozent) haben der Studie zufolge einen Hochschulabschluss. Dabei waren Wirtschaftswissenschaften (36,9 Prozent) und die sogenannten MINT-Fächer (Mathe, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaften) mit rund 47 Prozent die relevantesten Studienfächer der Gründer.

Die Technische Universität München hat dabei bislang am meisten DSM-Gründer (3,2 Prozent ) hervorgebracht, gefolgt von der Karlsruhe Institute of Technology (2,9 Prozent) und der RWTH Aachen. Doch zeigt sich, dass die Gesamtheit der Gründer mit Studienabschluss sich auf eine Vielzahl nationaler und internationaler Universitäten verteilt.

Kooperation mit dem deutschen Mittelstand fällt deutlich zurück

Interessant auch: Die Internationalisierung des Geschäfts erachten 83 Prozent der Start-ups als wichtig und wollen sie vorantreiben. Zugleich aber scheint die Kooperation mit mittelständischen Unternehmen hierzulande nachzulassen. Gaben im vergangenen Jahr noch 70 Prozent der Start-ups an, mit etablierten Firmen zu kooperieren, waren es in diesem Jahr nur noch 50 Prozent.

Der deutsche Mittelstand laufe damit Gefahr den Anschluss an die Digitalisierung zu verlieren, warnt Florian Nöll, Vorsitzender des Startup-Verbands. Damit er aufhole, müsse er mit jenen zusammenarbeiten, die aus der Digitalisierung heraus entstanden sind.

An der Datenerhebung waren in diesem Jahr 298 Netzwerkpartner beteiligt, die unter den Gründerinnen und Gründern angeregt haben, sich an der Umfrage zu beteiligen. Datenbasis waren insgesamt 1837 Start-ups, 4245 Gründer und 19.913 Mitarbeiter. Der Deutsche Start-up Monitor will Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung eine Orientierungshilfe geben, um die Bundesrepublik als Gründerstandort zu stärken.

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mit dpa

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