02.10.2017 
Erste Ansagen der neuen Stada-Eigner

Neue Schwämme wischen gut

Ein Kommentar von
Der neue starke Mann bei Stada: Claudio Albrecht, Vorstandschef.
DPA
Der neue starke Mann bei Stada: Claudio Albrecht, Vorstandschef.

Die knapp 11 000 Stada-Beschäftigten sind von ihrem Top-Management einiges an Kumpel- und Kumpaneien gewohnt. Ihr Sommer-CEO Engelbert Coster Tjeenk Willink (Amtszeit 4. Juli bis 27. September) bot ihnen auf seiner ersten Mitarbeiterversammlung gleich das "Bert" an.

In den vergangenen Wochen machten Informationen und Anschuldigungen die Runde, wonach Berts Vor- und Vorvorgänger möglicherweise Konzerngeld verschwendet haben könnten. Ferdinand Oetker, bis Ende des Monats Aufsichtsratschef von Stada (Grippostad, Ladival), unterstellte öffentlich.

Ihm selbst wiederum wird vorgeworfen, das Treiben nicht rechtzeitig untersucht und ansonsten seinerseits sehr großzügig mit Berater-Honoraren umgegangen zu sein.

Die Gemengelage ist derart vergiftet, dass Klagen oder gar staatsanwaltschaftliche Ermittlungen keine große Überraschung wären.

In dieser Phase könnten Finanzinvestoren, einst als "Heuschrecken" gebrandmarkt, eine bis dato völlig unterinterpretierte Qualität ausspielen, die unter der mikroskopischen Beobachtung börsennotierter Unternehmen undenkbar wäre. Die Fähigkeit zum "Schwamm drüber". Bain Capital und Cinven wird es rund 6 Milliarden Euro kosten, um Stada (bereinigter operativer Jahresgewinn zuletzt 295 Mio. Euro) komplett zu kaufen und von der Börse zu nehmen. Der Preis ist so hoch, dass derzeit völlig unsicher erscheint, wie die beiden Neueigner damit eine Rendite erzielen können.

Mit der Aufarbeitung vergangener Fehltritte, so scheint es, wollen sie sich nicht aufhalten - auch wenn sich dabei vielleicht sogar die eine oder andere Million zurückholen ließe. Claudio Albrecht zumindest, der von Bain und Cinven eingesetzte neue Vorstandschef, kündigte in seiner ersten Rundmail an seine neuen Kollegen jedenfalls schon mal vielsagend an, "nicht so sehr in der Vergangenheit verhaftet zu sein".

Dafür hatte er aber eine andere Kumpelei in petto, quasi als erste Amtshandlung: "Ab morgen um 8 Uhr werden wir am Hauptsitz in Bad Vilbel eine Open Door Policy einführen. Sie brauchen künftig also keinen Transponder mehr, um die Türen zu den einzelnen Abteilungen zu öffnen". Der Fortschritt bekommt als Erstaustattung mitunter nur sehr leise Sohlen.

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