11.04.2017  Nach Verkauf an Finanzinvestoren

Betriebsratschef wirft Stada-Chef Gesetzesbruch vor

Von
Stadas Vorstandschef Matthias Wiedenfels.
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Stadas Vorstandschef Matthias Wiedenfels.

Nach dem Beschluss zum Verkauf des MDax-Konzerns Stada an Finanzinvestoren bahnt sich ein tiefer Riss zwischen Management und Belegschaft an. Für die voraussichtlich künftigen Eigner Bain Capital und Cinven birgt das die Gefahr gefährlicher Verzögerungen bei der Umsetzung ihrer Strategie.

Am Dienstag - und damit nur wenige Stunden nach Abschluss der Verkaufsverhandlungen des Milliardenkonzerns - attackierte Betriebsratschef Jens Steegers seinen Vorstandschef Matthias Wiedenfels im Intranet scharf. Steegers ist zugleich auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Arzneimittelkonzerns (Grippostad).

Steegers betrachtet den gelernten Juristen Wiedenfels offensichtlich nicht mehr als besten Ansprechpartner für die Belegschaft. "Das immer wahrscheinlicher werdende Ende der Stada als eigenständiges Unternehmen bedauern wir sehr", schreibt Steegers im Intranet. Er kündigt in dem Brief an die Mitarbeiter an, "schnellstmöglich mit Vertretern von Bain Capital und Cinven in einen konstruktiven Dialog einzutreten, um so Ihre Interessen auch in Zukunft bestmöglich vertreten zu können."

Streitpunkt ist die so genannte "Investorenvereinbarung", die von den Finanzinvestoren unterzeichnet wurde, und die von Wiedenfels sowie Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker am Montag als großer Erfolg verkauft wurde. Der Vorstandschef sprach öffentlich von "weitreichenden Schutzzusagen für unsere Mitarbeiter" und veröffentlichte einige Details wie einen "im Grundsatz (...) weitgehenden Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen für vier Jahre".

Steegers beschwert sich nun im Intranet, dass der gesamte Betriebsrat über die Details dieses Vertragszusatzes im Dunkeln tappe. Danach sei ihm lediglich mitgeteilt worden, "dass es gelungen sei, eine Investorenvereinbarung abzuschließen, die umfassende Schutzrechte für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorsieht. Zu unserem großen Bedauern müssen wir Ihnen mitteilen, dass es der Vorstand entgegen seiner gesetzlichen Verpflichtungen versäumt hat, unseren Betriebsrat und auch den Wirtschaftsausschuss diesbezüglich zu informieren. Auch die geschlossene Investorenvereinbarung liegt beiden Gremien ausdrücklich nicht vor."

Deswegen gebe es auch erst einmal keine Betriebsversammlung. Jedoch hat der Vorstand für die nächsten Tage eine Mitarbeiterversammlung angekündigt, die dann allerdings unter der Regie des Managements stattfindet.

Welche "gesetzliche Verpflichtung" des Vorstands Steegers meint, bleibt unklar. Höchstrichterliche Entscheidungen legen zudem nahe, dass Investorenvereinbarungen intern nicht frühzeitig breit verteilt werden. Durch seine Doppelrolle ist Steegers in einer pikanten Situation: Denn als Vizechef des Aufsichtsrats kennt er die Details der Investorenvereinbarung.

Die Mitteilung aus dem Intranet liegt manager-magazin.de vor. Ein Stada-Sprecher lehnte einen Kommentar ab.

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