05.07.2017 
Übernahmepoker um Stada

Wie Bain Capital und Cinven ihren zweiten Anlauf vorbereiten

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Finanzinvestoren wollen Stada unbedingt übernehmen und würden gern ein zweites Übernahmeangebot unterbreiten, ohne ein Jahr Pause abzuwarten
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Finanzinvestoren wollen Stada unbedingt übernehmen und würden gern ein zweites Übernahmeangebot unterbreiten, ohne ein Jahr Pause abzuwarten

Der Übernahmekampf um den Pharmakonzern Stada steht vor einer Neuauflage. Nur wenige Tage nach der gescheiterten ersten Offerte arbeiten Bain Capital und Cinven mit Hochdruck an ihrem zweiten Versuch. Die beiden Finanzinvestoren erwägen, bei der Finanzaufsicht BaFin einen Antrag auf Befreiung von der einjährigen Sperrfrist zur Abgabe eines erneuten Übernahmeangebots zu stellen. Dies teilte Stada am Dienstag in Bad Vilbel mit.

Der Arzneimittelhersteller (Grippostad, Ladival) prüft jetzt, ob er dem Antrag zustimmen und an die BaFin weiterleiten würde und will dann die Öffentlichkeit weiter informieren. Falls Stada und die Finanzaufsichtsbehörde dem Antrag zustimmen würden, wäre der Weg für eine neue Offerte von Bain und Cinven frei. Beide waren erst vor wenigen Tagen mit dem ersten Gebot über 66 Euro je Aktie, das Stada inklusive Schulden mit etwas mehr als 5,3 Milliarden Euro bewertet hatte, knapp gescheitert.

Das Investorenduo hatte die erforderliche Annahmequote von 67,5 Prozent allerdings nur um rund 2 Prozentpunkte verfehlt, so dass schnell die Gerüchte über eine neue Offerte die Runde machten.

Stada selbst hatte sich Ende Juni offen dafür gezeigt. An der Börse hatte die gescheiterte Übernahme deshalb auch nur kurz zu einem deutlichen Verlust geführt. Das Papier konnte sich schnell von seinem starken Minus nach dem Scheitern erholen und stand zuletzt mit 62,50 Euro wieder knapp unter dem von Bain und Cinven gebotenen Preis.

Ob Bain Capital und Cinven nun tatsächlich einen zweiten Versuch wagen, hängt nach Informationen von manager-magazin.de vom Verlauf ihrer Gespräche mit Stada-Investoren ab. Entscheidend sei, dass die Finanzinvestoren dem Stada-Management eine höhere Sicherheit nachweisen können, dass der Verkauf im zweiten Anlauf auch tatsächlich erfolgreich ist - also mindestens 67,5 Prozent der Aktien eingereicht werden. Um dies sicherzustellen, könnten Bain Capital und Cinven theoretisch ihren Angebotspreis erhöhen. Ein deutlicher Aufschlag gilt allerdings als unwahrscheinlich, weil schon der Preis von 66 Euro je Aktie als vergleichsweise hoch galt.

Dass der Deal dennoch nicht gelang, entwickelt sich für Bain Capital und Cinven zu einem Reputationsrisiko. Bei künftigen Firmen-Auktionen könnten sie Nachteile haben, weil die Verkäufer ihnen möglicherweise nicht zutrauen, die Transaktion auch tatsächlich zum Erfolg zu führen.

Als einen Grund für das Scheitern nennen Insider, dass Bain Capital und Cinven sowie deren Berater die Stada-Aktionäre nicht genügend umworben haben. Nach Informationen von manager-magazin.de wollen die Private-Equity-Häuser für ihren zweiten Versuch ihrem Hauptberater JP Morgan nun möglicherweise noch weitere Investmentbanken zu Seite stellen; im Gespräch ist etwa der Aktienspezialist Macquarie.

mit dpa

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