23.05.2018  Musikmarkt lässt Krise hinter sich

Milliardendeal - Sony feiert Comeback des Musikgeschäfts

Von
Alicia Keys
Getty Images
Alicia Keys

Im Musikgeschäft, das ist wohl die Botschaft am heutigen Dienstag, ist die Krise endgültig überwunden. Jahrelang brachen der Branche die Umsätze weg, vor allem, weil CD-Käufe in Zeiten des Internets mit der Videoplattform Youtube, verschiedenen Streaming-Diensten sowie diversen legalen oder illegalen Tauschbörsen aus der Mode gekommen waren.

Doch inzwischen haben sich die großen Label gefangen. Am Erfolg von Streaming-Portalen wie Spotify, Apple Music oder Google Play verdienen über Verträge auch die Global Player der Branche wie Sony, Warner und Universal mit.

Ein Blick auf die Zahlen belegt dies: Nach Angaben der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) sanken die Umsätze der weltweiten Musikindustrie zwischen 1999 und 2014 zunächst von mehr als 25 Milliarden Dollar pro Jahr auf etwa 14 Milliarden Dollar. Seither ging es jedoch wieder aufwärts, auf zuletzt 17,3 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr.

Die beinahe vollständige Übernahme des Musikverlags EMI Music Publishing durch den globalen Riesen Sony, die am heutigen Dienstag verkündet wurde, macht vor dem Hintergrund deutlich: Die Verantwortlichen in den Topetagen der Major Label glauben offenbar wieder daran, dass sich mit Musik im großen Stil Geld verdienen lässt.

Sony besaß bislang 30 Prozent an EMI Music Publishing. Nun übernehmen die Japaner weitere 60 Prozent, die sich bislang im Besitz des arabischen Staatsfonds Mubadala befanden. Die verbleibenden 10 Prozent an EMI halten auch künftig die Erben der verstorbenen Pop-Ikone Michael Jackson.

Mit dem Zukauf sichert sich Sony einen Katalog aus mehr als zwei Millionen Songs, darunter Werke des US-Rap-Stars Kanye West, der bekannten Soul-Sängerin Alicia Keys sowie des britischen Barden Sam Smith. Selbst Klassiker von Queen, Carole King sowie Motown nimmt Sony mit dem Deal unter seine Kontrolle.

Sony sieht sich als neuer Weltmarktführer

Zudem rückt der neue Sony-Chef Kenichiro Yoshida, der erst vor wenigen Wochen das Ruder übernahm, mit seiner ersten großen Transaktion gleich zu Beginn seiner Amtszeit die Kräfteverhältnisse auf dem weltweiten Musikmarkt ein wenig zurecht. Nach Angaben von Sony hält EMI derzeit einen Anteil von 15 Prozent an der Musikindustrie. Zusammen mit Sonys ATV-Sparte komme der Konzern also künftig auf einen Marktanteil von 26 Prozent und sei damit nun Weltmarktführer, so die Japaner.

Hintergrund: Das weltweite Musikgeschäft wird seit Jahren von den drei Konzernlabeln Warner, Universal sowie Sony beherrscht, die Schätzungen zufolge 70 bis 80 Prozent der Umsätze unter sich ausmachen. Der Rest entfällt auf kleinere, unabhängige Label ("Independants") wie beispielsweise in Deutschland die Edel AG mit Sitz in Hamburg.

Zwar waren brandaktuelle Daten, an denen sich die Angaben Sonys zur neuen, weltweiten Marktführerschaft messen lassen könnten, zunächst nicht verfügbar. 2016 jedoch, das zeigen Angaben des Datenanbieters Statista, stand noch die Universal Music Group an der Weltmarktspitze. Mit einem Anteil von 32,8 Prozent an den weltweiten Musikumsätze verwies das Unternehmen die Konkurrenten Sony Music Entertainment (22,2 Prozent) sowie Warner Music Group (18 Prozent) auf die Plätze.

Sony-Chef Yoshida jedenfalls ist zuversichtlich, mit dem Milliardendeal in einen Zukunftsmarkt zu investieren. "Diese Investition in Inhalte ist ein entscheidender Schritt für unser langfristiges Wachstum", so Yoshida anlässlich der Übernahme.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Branchenanalyst Damian Thong von Macquarie pflichtet dem Konzernchef bei. Sony könne künftig auf höhere Lizenzerlöse hoffen, so der Experte. Grund sei der anhaltende Trend zu Streaming-Diensten. Aufgrund von Verträgen mit Portalen wie Spotify, Apple Music, Google Play, SoundCloud und YouTube gehöre Sony zu den direkten Profiteuren dieser Entwicklung.

Mit Material von Nachrichtenagenturen

Mehr zum Thema