15.02.2018 
Höhere Synergien, niedrigere Kosten

Siemens Gamesa geht auf Aufholjagd

Von , Madrid
Windanlagenbauer Siemens Gamesa: Stärker wachsen als der Markt - "in Gigawatt und in Euro"
REUTERS
Windanlagenbauer Siemens Gamesa: Stärker wachsen als der Markt - "in Gigawatt und in Euro"

Der kriselnde deutsch-spanische Windanlagenbauer Siemens Gamesa will mit einem breit angelegten Sparprogramm gegenüber dem dänischen Weltmarktführer Vestas verlorenen Boden gutmachen. Bis 2020 solle Siemens Gamesa die Kosten um zwei Milliarden Euro senken, sagte Konzernchef Markus Tacke auf dem ersten Kapitalmarkttag des im April 2017 fusionierten Unternehmens in Madrid.

Die Synergien aus dem Zusammengehen der spanischen Gamesa mit Siemens' Windsparte sollen mit über 400 Millionen Euro fast doppelt so hoch ausfallen wie zuerst angekündigt und drei statt avisierter vier Jahre nach Vollzug der Fusion gehoben werden. Zugleich wolle Siemens Gamesa stärker wachsen als der Markt - "in Gigawatt und in Euro", wie Finanzchef Miguel Angel López betonte.

Mit den ehrgeizigen Zielen versucht das Topmanagement die Anleger zurückzugewinnen, die im vergangenen Jahr nach zwei Gewinnwarnungen und diversen Managementwechseln in Scharen geflüchtet sind. Zuletzt spitzten sich auch noch die Querelen zwischen 59-Prozent-Eigner Siemens und dem zweiten Großaktionär Iberdrola (8 Prozent) der zudem der größte Kunde ist, weiter zu, wie manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe berichtet .

Die Präsentationen der Vorstände um Tacke in Madrid kamen gut an: Der Kurs der Aktie sprang zeitweise um mehr als fünf Prozent.

Dramatischer Preisverfall bei Onshore-Anlagen

Analysten zufolge hat Siemens Gamesa, einst auf Augenhöhe mit Vestas gestartet, im vergangenen Jahr Marktanteile verloren - bei Anlagen an Land (onshore) wie auf hoher See (offshore). Der jetzige Plan sieht vor, bis 2020 auch bei der operativen Marge den Anschluss zu schaffen: mit einem Wert zwischen acht und zehn Prozent, gegenüber prognostizierten sieben bis acht Prozent im laufenden Jahr. Vestas traut sich bereits 2018 neun bis elf Prozent zu.

Die gesamte Windbranche litt im vergangenen Jahr unter einem dramatischen Preisverfall, vor allem bei Onshore-Anlagen, da immer mehr Länder neue Windparks über Auktionen vergeben. Immerhin haben sich die Onshore-Preise López zufolge im vergangenen Quartal erstmals stabilisiert.

Tacke, López und Integrationsvorstand David Mesonero gaben sich überzeugt, die Wende schnell zu schaffen. "Der Plan ist solide", sagte Tacke. López bekräftigte, dass Siemens Gamesa im laufenden Geschäftsjahr unter dem Strich Gewinn erzielen will, bei einem Umsatz zwischen 9 und 9,6 (2017: 11) Milliarden Euro. Im ersten Quartal war ein Nettoverlust von 35 Millionen Euro verbucht worden.

"Das komplexeste Produktangebot in der gesamten Industrie"

Um Kosten zu sparen, wird das gemeinsame Produktangebot, das "komplexeste in der gesamten Industrie" (Tacke), massiv verschlankt. Statt 25 Onshore-Turbinen werden künftig nur noch neun offeriert, allesamt mit Getrieben. Bei Offshore-Turbinen konzentriert sich Siemens Gamesa auf eine Plattform ohne Getriebe.

Der hoch defizitäre, französische Offshore-Anbieter Adwen, der im Zuge der Fusion komplett auf Siemens Gamesa überging, wird abgewickelt. Zuletzt kostete dies schon um die 50 Millionen Euro pro Quartal. Der Prozess werde sehr langwierig und in den nächsten vier bis fünf Jahren zu noch höheren Mittelabflüssen führen, sagte López. Dafür habe Siemens Gamesa Rückstellungen gebildet.

Zudem will Siemens Gamesa Produktion in Niedriglohnländer verlagern und bis zu ein Fünftel der Verwaltungskosten sparen. Bei alldem fallen, wie schon im November angekündigt, weltweit 6000 Jobs weg, fast ein Fünftel der Belegschaft.

Die höheren Synergien begründete Tacke damit, man habe "den Gang gewechselt". Zunächst seien die Synergien von oben bestimmt und nach unten weitergegeben worden; die neue Synergiezahl sei in Detailarbeit "bottom-up" berechnet. Für das erste Jahr hatte Siemens Gamesa Synergien in Höhe von 1,5 Prozent des Umsatzes avisiert; dies werde erreicht, sagte Mesonero. Die Integration werde offiziell mit Geschäftsjahresende im September abgeschlossen.

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