12.09.2018  150 Flüge am Donnerstag ausgefallen

Bei Ryanair drohen weitere Streiks

Am Frankfurter Flughaften zeigen Streikende Schilder und fordern höhere Löhne.
DPA
Am Frankfurter Flughaften zeigen Streikende Schilder und fordern höhere Löhne.

Der Billigflieger Ryanair und seine deutschen Beschäftigten liegen mächtig überkreuz. Mindestens 150 Flügen fielen am Mittwoch aus. Die Forderungen von Piloten und Flugbegleitern bezeichnete das Management als aberwitzig. Die Beschäftigten drohen mit weiterem Streik.

Etliche Ryanair-Flieger sind diesen Mittwoch am Boden geblieben, weil Piloten und Flugbegleiter der irischen Fluggesellschaft erstmals in Deutschland gemeinsam streiken. Im Vorfeld des Streiks hat Ryanair 150 der geplanten 400 Verbindungen von und nach Deutschland abgesagt. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hofft hingegen, dass am Ende des Tages wesentlich mehr Flüge, nämlich zwischen 60 und 70 Prozent ausfallen. Bei dem Ausstand geht es um erstmalig abzuschließende Tarifverträge für höhere Gehälter sowie bessere Arbeitsbedingungen. Ryanair-Chef Michael O'Leary bezeichnete diese Forderungen als aberwitzig.

Per Twitter teilte Ryanair mit, dass die verbliebenen 30 Morgenflüge aus Deutschland planmäßig gestartet seien. Der gemeinsame 24-Stunden-Streik von Piloten und Flugbegleitern soll noch bis Donnerstag um 2.59 Uhr dauern. Ryanair-Organisationschef Peter Bellew teilte der DPA mit, der um 150 Flüge reduzierte Flugplan habe in Deutschland gut funktioniert. Weitere Flugstreichungen werde es voraussichtlich nicht geben. Mehr als 90 Prozent der verbliebenen Flüge seien am Morgen pünktlich gestartet. Für den Donnerstag erwarte er keine Störungen, weil das Personal angekündigt hat, die Arbeit wiederaufzunehmen.

Ryanair droht mit Abzug von Jobs

Die Streiks würden das Geschäft in Deutschland zerstören, sagt Organisationschef Bellew. Das könnte das Unternehmen dazu bringen, einzelne Flugzeuge aus den kleineren, ertragsschwächeren Standorten herauszunehmen. An die Schließung ganzer Basen sei hingegen eher nicht gedacht.

Dass Ryanair mit dem Abzug von Flugzeugen und Jobs droht, stimmt die Gewerkschaft VC wütend. "Es ist ein absoluter Skandal, wenn hier Mitarbeiter bedroht werden, die ihren Grundrechten nachgehen", sagte VC-Vize Markus Wahl am Mittwoch in Frankfurt. Das zeige erneut, dass Ryanair versuche, die Beschäftigten mit der Angst um den Arbeitsplatz unter Druck zu setzen. Allerdings belege die hohe Streikbeteiligung, dass diese Mittel nicht mehr wirkten.

Ryanair-Chef: Streik- Forderungen sind aberwitzig

Da viele Streikende berufliche Nachteile fürchteten, hatten sie sich bei einer Protestaktion am Frankfurter Flughafen, an der rund 70 Flugbegleiter teilnahmen, Masken mit dem Konterfei von Airline-Chef Michael O'Leary aufgesetzt. Der Ryanair-Chef bezeichnete bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in London die Forderung nach höheren Gehältern als aberwitzig. "Wir werden nicht nachgeben", sagte O'Leary. Er rief die Gewerkschaften auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Den Vorwurf, streikende Mitarbeiter mit Jobstreichungen zu bedrohen, wies O'Leary zurück. "Es werde nicht wegen eines Streiktags zu Kürzungen kommen" sagte O'Leary. Sollte es aber weitere Streiktage geben, könnte das Folgen haben.

Weitere Streiks möglich

Die Ryanair-Mitarbeiter halten weitere Streiks nicht für ausgeschlossen. "So lange Ryanair keine verbesserten Angebote macht, muss es notfalls hier auch weitere Streiks geben", sagt VC-Tarifexperte Ingolf Schumacher.

Insgesamt steuert Ryanair 19 deutsche Flughäfen an. Passagiere konnten dem Unternehmen zufolge kostenfrei umbuchen oder den Ticketpreis zurückerhalten. Darüber hinausgehenden Schadenersatz lehnt die Gesellschaft unter Verweis auf EU-Recht ab und lässt es in dieser Frage auf einen Prozess mit dem Flugrechte-Portal AirHelp ankommen.

Geschädigte Passagiere beschwerten sich auf Twitter über mangelnde Hilfestellungen von Ryanair. So sei einem Passagier bis kurz vorm Abflug nicht klargewesen, ob seine Maschine vom Streik betroffen sei. "Komplettes Chaos am Hamburger Flughafen diesen Morgen."

jh mit dpa

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