26.04.2018 
"Vera" führt 50.000 Interviews am Tag

Schlauer Roboter sucht Personal für Ikea, Pepsi und Co

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"Vera": In dieser Optik führt die russische Software Job-Interviews für Konzerne wie Ikea, Pepsi und andere.
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"Vera": In dieser Optik führt die russische Software Job-Interviews für Konzerne wie Ikea, Pepsi und andere.

Eine solche Mitarbeiterin wünscht sich wohl jedes große Unternehmen in seiner Personalabteilung: Vera kann mehrere Tausend Bewerbungsgespräche an einem Tag führen. Sie spricht zwei Sprachen - russisch und englisch -, arbeitet rund um die Uhr und wird dabei niemals müde. Von Burn-out kann schon gar nicht die Rede sein. Und als besonderes Gimmick kann Vera wahlweise auch als Mann auftreten.

Das Geheimnis: "Vera" ist eine Software. Das russische Start-up Strafory hat sie entwickelt, um Firmen bei der Personalsuche zu helfen. Mehr als 300 Unternehmen haben den Dienst schon in Anspruch genommen oder zumindest getestet, berichtet Bloomberg, darunter namhafte Großkonzerne wie Ikea, Pepsi oder L'Oreal.

Dem Bericht zufolge lässt sich "Vera" am besten einsetzen, wenn es um einfache Jobs wie Sachbearbeiter, Kellner oder Bauarbeiter geht. Nachdem die Software mit dem Jobprofil gespeist wurde, durchsucht sie fünf Job-Portale, mit denen sie verbunden ist, nach passenden Bewerbern. Die Software ist in der Lage, Bewerbungen zu lesen und geeignete Anwärter zu identifizieren, schreibt die "Washington Post".

"Vera" wird immer besser

Ist ein passender Job-Aspirant gefunden, ruft "Vera" ihn eigenständig an und führt ein erstes Bewerbungsgespräch. "Wenn Sie ans Telefon gehen, sagt sie 'Hi, mein Name ist Vera, und ich bin ein Roboter. Suchen Sie immer noch nach einem Job?'", zitiert die Zeitung Alexei Kostarev, der "Vera" 2017 mit einigen Partnern in St. Petersburg entwickelt hat. "Ist die Antwort 'Ja", kann 'Vera' entweder am Telefon oder per Video-Chat ein Interview führen."

Die Gespräche dauern nach Angaben Kostarevs etwa acht Minuten, wobei "Vera" auch in der Lage ist, auf Fragen der Bewerber einzugehen. Die Quote der korrekten Antworten, die das Programm dabei gibt, liegt gegenwärtig bei 82 Prozent, so Kostarev. Sie solle aber künftig auf bis zu 85 Prozent gesteigert werden.

Der große Vorteil für die Unternehmen, die "Vera" nutzen, ist dabei offenbar die Zeitersparnis. Vor allem Großkonzerne haben es bei Stellenbesetzungen oft mit Unmengen an Bewerbern zu tun. Viele Bewerbungen werden zudem auf Job-Sites hinterlassen und sind zu dem Zeitpunkt, in dem eine Firma einen Arbeitsplatz zu besetzen hat, schon nicht mehr aktuell.

"Wir bekommen jedes Jahr tausende Bewerbungen von Leuten, die gerne bei Ikea in Russland arbeiten wollen", zitiert die "Washington Post" eine Sprecherin des Unternehmens. "Die erste Auswahl ist sehr viel Arbeit und kostet unsere Personalbearbeiter viel Zeit. Deshalb haben wir einen Test mit dem 'Vera'-Roboter gemacht."

Christoph Rottwilm auf Twitter

Der Versuch dürfte sich gelohnt haben, zumindest was die Arbeits- und Zeitersparnis angeht: Laut Strafory-Mitgründer Kostarev führt "Vera" gegenwärtig für 200 Kunden etwa 50.000 Interviews - am Tag. Dabei siebt sie regelmäßig die besten 10 Prozent aus der Masse der Bewerber heraus, bevor Personaler aus Fleisch und Blut in s Geschehen eingreifen.

Auch diese Quote dürfte künftig allerdings noch besser werden. Denn "Vera" ist ihren Entwicklern zufolge als künstliche Intelligenz angelegt: Während sie arbeitet entwickelt sie ihre Fähigkeiten laufend selbstständig weiter.

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