08.07.2016  Adidas verliert ersten EM-Titel seit 1992

Nike ist Europameister

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Mit dem EM-Aus der deutschen Mannschaft steht auch eine historische Niederlage für einen deutschen Konzern fest: Adidas kann im Finale von Saint-Denis am Sonntag nur noch zusehen, wie zwei vom Erzrivalen Nike ausgerüstete Mannschaften den Titel unter sich ausspielen.

Sowohl Portugal als auch Frankreich haben sich mit "Swoosh" (laut Nike-Gründer Phil Knight steht das Firmenlogo für "das Geräusch von jemandem, der an dir vorbeizieht") gegen Adidas-Teams im Halbfinale durchgesetzt. Es waren die ersten direkten Duelle der beiden Konkurrenten um die Marktführerschaft im Fußballgeschäft in der K.o.-Runde des Turniers.

Dabei war Adidas mit Vorteil in die EM gestartet - neun Mannschaften hatten sie unter Vertrag gegenüber sechs von Nike , die ohne den Hoffnungsträger Niederlande antreten mussten. Doch im Turnierverlauf schoben sich die Teams des amerikanischen Ausrüsters nach vorn - bis zum K.o.

Adidas kann sich immer noch über einen von Noch-Chef Herbert Hainer prognostizierten Rekordumsatz von 2,5 Milliarden Euro mit Fußballprodukten in diesem Jahr freuen. Aber schon lange vor der Halbfinalniederlage wurden die über Bedarf produzierten DFB-Trikots mit großen Rabatten verramscht. Und Hainer hatte stets auch sportlichen Ehrgeiz in den kommerziellen Wettbewerb gebracht - Adidas als "klare Nummer eins im Fußball", das ist der Anspruch.

Mit dem Verlust des EM-Titels bleibt der unerfüllt, selbst wenn Nike mit seinem Fußballumsatz von 1,9 Milliarden Euro im gerade (per Ende Mai) abgeschlossenen Geschäftsjahr hinter den Deutschen zurückbleibt.

Seit 1980 hat Adidas den Titel erst einmal abgegeben

Für Nike wird es der erste Gewinn dieses Turniers. Seit 1980 hatten alle Europameister mit Ausnahme von Überraschungssieger Dänemark 1992 (ausgerüstet vom lokalen Hersteller Hummel) das Adidas-Logo auf der Brust getragen. Und die Herzogenauracher stellen als Uefa-Hauptsponsor den Spielball, die Ausrüstung für Schiedsrichter und Balljungen, außerdem sind sie mit Stadionwerbung präsent - all das nun als Bühne für die Stars von Nike.

Gegen die Dominanz der Deutschen mit ihren historisch gewachsenen Verbindungen zu den Verbänden hat der US-Konzern viel Geld eingesetzt, nacheinander Ex-Adidas-Teams wie Niederlande, Portugal oder Frankreich gewonnen und mit der - inzwischen wieder abgestoßenen - Traditionsmarke Umbro auch den größten Absatzgaranten England eingekauft.

Vor allem der 2008 geschlossene Deal mit der Fédération Française de Football sah lange Zeit nach übertriebenem Einsatz aus. Mit 42,5 Millionen Euro pro Jahr sind die Franzosen der bislang teuerste Nationalverband der Welt, fielen in den Jahren rund um den Vertragsabschluss aber eher durch Skandale als durch sportlichen Erfolg auf.

Um wenigstens die jahrzehntelange Treue der deutschen Elf gegen das ständige Lauern von Nike zu sichern, hat Adidas mit rund 50 Millionen Euro für den DFB nun den Rekord gebrochen. Allerdings werden die Hemden von Schweinsteiger und Co. vorerst weniger gefragt sein als die der Equipe um Griezmann und Pogba.

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