11.09.2018 
Historischer Schritt

Nasa erwägt Werbung auf Raketen

Soll sie vielleicht so aussehen? Rakete der United Launch Alliance mit fktiven Sponsoren-Logos
[M] NASA/Bill Ingalls via Getty Images
Soll sie vielleicht so aussehen? Rakete der United Launch Alliance mit fktiven Sponsoren-Logos

Jim Bridenstine, der neue Chef der US-Weltraumbehörde Nasa, gilt als ausgesprochener Befürworter einer zunehmenden Privatisierung der Raumfahrt. Nun rüttelt er - vorsichtig - an einem seit Bestehen der Behörde existierenden Tabu: Bridenstine lasse aktuell prüfen, ob sich mit Werbung auf Raketen und Werbe-Engagements von Astronauten neue Finanzierungsquellen erschließen ließen, berichtet unter anderem die "Washington Post".

"Ist es möglich, dass die Nasa einige ihrer Kosten durch den Verkauf von Namensrechten an Raumschiffen oder Raketen deckt? Ich sage Ihnen, dass daran aktuell Interesse besteht", habe Bridenstine bei einem Auftritt vor dem Nasa Advisory Council gesagt. "Ist es möglich? Die Antwort darauf ist, dass ich es nicht weiß, aber wir wollen, dass uns jemand dabei unterstützt, es herauszufinden." Entschieden sei noch nichts.

In den 60 Jahren ihres Bestehens habe sich die Bundesbehörde bislang gegen jegliche Werbung verwehrt - laut "Washington Post" nenne sie sogar die M&Ms, die Astronauten im All äßen, "Schokolade mit Zuckerüberzug", um dem Eindruck entgegenzuwirken, eine bestimmte Süßigkeiten-Marke zu bevorzugen. Teils hatte sich die Nasa zuletzt bereits privaten Unternehmen geöffnet: Elon Musks Raketenfirma SpaceX bringt bereits Satelliten für die Agentur ins All und soll im kommenden Jahr im Rahmen einer Testmission Menschen ins Weltall schießen.

Von der "Washington Post" befragte Astronauten waren angesichts einer möglichen Werbe-Offensive ihres Arbeitgebers allerdings eher skeptisch: Scott Kelly, der ab Ende März 2015 beinahe ein ganzes Jahr am Stück im All verbracht hatte, nannte es "einen dramatischen Wechsel von den bisher geltenden Regeln", schränkte aber auch ein, so sei "wohl die Welt, in der wir jetzt leben." Kollege Michael Lopez-Alegria, mit insgesamt 67 Stunden und 40 Minuten amerikanischer Rekordhalter bei Außenbord-Einsätzen, verglich die Pläne mit "Nägeln auf einer Schultafel: Es ist einfach nicht richtig." Auch könne das Projekt dem US-Kongress suggerieren, dass die Nasa keine Fördergelder mehr brauche, wenn sie Werbeumsätze generiere.

luk

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