25.08.2017 
Insolvenzverschleppung und Betrug

Staatsanwälte ermitteln wegen MS-Deutschland-Pleite

Von
MS Deutschland
DPA
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Die Lübecker Staatsanwälte haben im Nachgang zur zweiten Insolvenz der MS "Deutschland" ein Ermittlungsverfahren gegen ehemalige Verantwortliche eingeleitet. Das Verfahren werde "wegen des Verdachts der vorsätzlichen Insolvenzverschleppung, des Kapitalanlagebetrugs, des Betrugs, der Untreue und der Urkundenfälschung gegen verschiedene Personen geführt", sagte Oberstaatsanwältin Ulla Hingst dem manager magazin. Die neue Ausgabe erscheint am 25. August.

Die MS "Deutschland" hatte im Oktober 2014 zum zweiten Mal Insolvenzantrag gestellt. Das ehemalige TV-"Traumschiff" war 2010 von der Münchener Sanierungsholding Aurelius aus der ersten Pleite herausgekauft worden. Aurelius reichte die MS "Deutschland" Anfang 2014 für einen Euro an die Münchener Callista Private Equity weiter.

Laut dem manager magazin sagte Hingst, die Ermittlungen seien Ende des Jahres 2014 unmittelbar nach Eingang der ersten Strafanzeige aufgenommen worden. "Weitergehende Auskünfte werden zum Schutze der Ermittlungen aktuell nicht erteilt."

Aurelius und Callista teilten laut dem manager magazin mit, sie hätten keine Kenntnis von dem Ermittlungsverfahren.

Sollte wirklich Anklage erhoben werden, wäre es nicht das erste Mal, dass Strafverfolger Illegales bei einer ehemaligen Aurelius-Tochter festzustellen glauben. Beim Landgericht Mannheim liegt seit eindreiviertel Jahren eine Anklage in Sachen des von Aurelius abgewickelten Lörracher Modeversenders Mode & Preis (M&P).

Die Mannheimer Staatsanwälte werfen zwei einst von Aurelius eingesetzten M&P-Geschäftsführern sowie einem weiteren Mitarbeiter des Versenders Betrug in elf Fällen vor. Die Angeklagten sollen 2009 gegenüber asiatischen Warenlieferanten vorgetäuscht haben, Mode & Preis könne die Lieferungen nicht vollständig bezahlen. Dabei sollen sie die damalige Unsicherheit um die Insolvenz des Arcandor-Konzerns ausgenutzt haben, der Mode & Preis aber schon per 2008 an Aurelius verkauft hatte.

Die Beschuldigten hätten, so die Ankläger, die Lieferanten gezielt glauben lassen, dass Mode & Preis von der Arcandor-Insolvenz umfasst sei, und so zu einem teilweisen Verzicht auf ihre Forderungen bewegt. Tatsächlich sei Mode & Preis gar nicht in Geldnot gewesen.

Aus Kapazitätsgründen sei bisher noch nicht entschieden worden, ob und wann das Verfahren eröffnet werde, sagte ein Sprecher des Mannheimer Landgerichts gegenüber manager-magazin.de.

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