12.09.2016 
Mögliches Schneeballsystem

Die fragwürdigen Geldströme im Container-Reich von Magellan

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Container im Hafen Hamburg: Investoren von Magellan hatten kein Glück mit dem Investment
DPA
Container im Hafen Hamburg: Investoren von Magellan hatten kein Glück mit dem Investment

9000 Investoren bangen beim insolventen Container-Unternehmen Magellan aus Hamburg um 350 Millionen Euro. Jetzt zeigen Recherchen: Womöglich waren die Investments der Anleger von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Basierte das Geschäftsmodell der insolventen Containerfirma Magellan, bei der zurzeit 9000 Anleger um 350 Millionen Euro bangen, auf einem Schneeballsystem? Recherchen von manager magazin online zeigen: Die Frage ist durchaus berechtigt, denn einiges deutet inzwischen darauf hin, dass den Magellan-Aktivitäten ein kaum tragfähiges Geschäftsmodell zugrunde lag. Für Geldanleger, die sich angesichts niedriger Zinsen und wackliger Börsen anderswo am Kapitalanlagemarkt nach lukrativen Investments umschauen, wird der Fall spätestens dadurch mehr und mehr zum abschreckenden Beispiel.

Was ist geschehen? Vor einigen Monaten stellte die Hamburger Magellan Maritime Services einen Insolvenzantrag. Das Geschäftsmodell, wie das Unternehmen es selbst beschrieb: Die Anleger hatten Container erworben, die durch Magellan an Reedereien weltweit vermittelt wurden, und sollten dafür regelmäßige Mietzahlungen kassieren. Am Ende einer Vertragslaufzeit von wenigen Jahren wollte Magellan die Container vom Investor zurückkaufen. Für diese Geldanlage hatte das Hamburger Unternehmen Renditen von mehr als 6 Prozent in Aussicht gestellt.

Auf diesen Schnitt werden die Tausende betroffenen Containerbesitzer nun aber wohl kaum kommen. Schritt für Schritt erhielten sie in den vergangenen Wochen Informationen vom Insolvenzverwalter, dem Hamburger Anwalt Peter-Alexander Borchardt von der Kanzlei Reymer Rechtsanwälte, die ihre Rückflüsse in immer weitere Ferne zu rücken scheinen.

Zuletzt teilte Borchardt den Investoren in der vergangenen Woche mit, er werde deren Mieterverträge nicht übernehmen beziehungsweise kündigen. Um an ihr Geld zu kommen, so Borchardt, müssten die Container-Eigentümer nun Schadensersatzforderungen zur Insolvenztabelle anmelden.

Keine schöne Nachricht also, auf den ersten Blick. Besonders spannend ist allerdings die Begründung, mit der Borchardt die Übernahme der Mietverträge verweigert: Ein Grund sei die Tatsache, so schreibt er, dass die von den Reedereien vereinnahmten Containermieten geringer seien, als die Mieten, die den Investoren gegenüber garantiert wurden.

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