05.07.2018  Deutsche-Bank-Großaktionär

HNA-Mitgründer Wang Jian stürzt von Mauer und stirbt

HNA-Mitgründer Wang Jian: Tödlicher Sturz in Frankreich
AFP
HNA-Mitgründer Wang Jian: Tödlicher Sturz in Frankreich

Der Mitgründer und Verwaltungsratschef des chinesischen HNA-Konzerns, Wang Jian, ist tot. Der 57-jährige sei nach einem Sturz in Frankreich am Dienstag seinen schweren Verletzungen erlegen, teilte der hoch verschuldete Deutsche-Bank-Großaktionär HNA am Mittwoch mit.

Es sehe nach einem Unfall aus, erklärte die französische Polizei. Wang habe sich im südfranzösischen Bonnieux auf eine Mauer gestellt, damit seine Familie ein Foto von ihm machen könne. Er sei dann 15 Meter in die Tiefe gestürzt. Die Todesursache solle eine Autopsie klären.

Wang galt als treibende Kraft hinter der 50 Milliarden Dollar schweren Einkaufstour, bei der HNA zum Großaktionär der Deutschen Bank aufstieg, milliardenschwere Übernahmen stemmte und sich an bekannten Konzernen wie den Hotelgruppen Hilton und NH Hotel beteiligte.

Auch der Flughafen Hahn im Hunsrück gehört seit vergangenem Jahr HNA. Mitgründer Chen Feng, der wie Wang den Titel Verwaltungsratschef führt, repräsentierte HNA in der Öffentlichkeit, während Wang sich um die Strategie und das Tagesgeschäft kümmerte, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Zukunft bei HNA ungewiss

Mitarbeiter und Öffentlichkeit rätseln nun, wie es bei HNA weitergeht. "Das ist eine schockierende Nachricht", sagte ein Mitarbeiter in der Finanzabteilung von HNA. "Wir wissen nicht, welche Auswirkungen sein Tod auf den Kurs des Konzerns haben wird." Wang hielt ebenso wie Chen 15 Prozent an HNA.

Die Mehrheit an dem Konzern, der wegen seiner undurchsichtigen Eigentümerstruktur wiederholt für Kritik sorgte, besitzt mit 52 Prozent eine in New York ansässige Stiftung. Laut einem Dokument, das Reuters einsehen konnte, haben die Eigner versprochen, im Falle ihres Todes oder Ausscheidens aus dem Unternehmen, ihre HNA-Anteile an die Stiftung zu übertreten.

Geldnot: Anteil an Deutscher Bank auf 7,6 Prozent verringert

Viele der Beteiligungen hat der nach den Zukäufen in aller Welt hochverschuldete Konzern in den vergangenen Monaten losgeschlagen, um an flüssige Mittel zu kommen. Unter anderem versilberte HNA Anteile an NH und Hilton. Den Anteil an der Deutschen Bank verringerten die Chinesen kürzlich auf 7,6 Prozent.

In der Schweiz besitzt der Konzern das Bordverpflegungs-Unternehmens Gategroup und den Flugzeugabfertiger Swissport. Die geplanten Börsengänge der beiden Unternehmen, mit denen HNA Geld in die klammen Kasse bringen wollte, scheiterten vor einigen Monaten.

Wang hatte vor einigen Monaten in einer E-Mail an die Mitarbeiter eine "Verschwörung" gegen die Kommunistische Partei und Chinas Staatspräsidenten Xi Jinping für die Probleme bei HNA verantwortlich gemacht. Zuletzt erhielt der Konzern Medienberichten zufolge Rückendeckung vom Staat. Bei einem Treffen mit der chinesischen Zentralbank seien Kreditgeber angewiesen worden, die Anleihen von HNA zu "unterstützen", hatten die Nachrichtenagentur "Bloomberg" und die "Financial Times" vergangenen Monat berichtet.

Neuer Kurs in Peking brachte HNA unter Druck

Dass HNA in eine brenzlige Lage geraten ist, hängt auch mit der neuen Politik Pekings zusammen. Jahrelang finanzierten Chinas Staatsbanken bereitwillig die Kauforgien chinesischer Konzerne im Ausland und pumpten immer neue Milliarden nach. Doch damit war plötzlich Schluss - auch aus Sorge vor Kapitalabflüssen.

Die Regierung will nun, dass sich die heimischen Firmen bei Übernahmen im Ausland auf Hochtechnologie konzentrieren, womit die industrielle Modernisierung des Landes vorangetrieben wird. Konzernen wie HNA, die sich in erster Linie für Immobilien und Finanzbeteiligungen interessieren, wird dagegen rigoros der Geldhahn abgedreht.

Neben HNA sind so zuletzt auch der Immobiliengigant Wanda und der Versicherungskonzern Anbang in schwierige Fahrwasser geraten.

la/dpa/reuters

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