10.07.2018 
Der Fall Generali

Verrat an der deutschen Lebensversicherung

Eine Meinungsmache von Axel Kleinlein
Die Generali geht voran und verkauft Millionen Policen an einen Abwickler. Damit entledigt sich ein erster großer Lebensversicherer seiner Verantwortung
DPA
Die Generali geht voran und verkauft Millionen Policen an einen Abwickler. Damit entledigt sich ein erster großer Lebensversicherer seiner Verantwortung

2. Teil: Erklärt endlich, warum ihr die Versicherer aus der politischer Verantwortung entlasst!

Lange Zeit haben Verbraucherschutz, Wirtschaftsmedien und Fachleute davor gewarnt, dass es Probleme bei der deutschen Lebensversicherung geben wird. Dennoch hat sich die Politik eher darum gekümmert, wie man den Versicherungsunternehmen immer mehr Verantwortung abspricht und ihnen immer mehr an zusätzlicher Unterstützung und Geschenken zukommen lassen kann.

Da wurden Gesetze und Verordnungen gemacht, um die Versicherer immer weiter aus der Verantwortung zu entlassen: Überschüsse wurden gekürzt oder die Versicherten enteignet, rückwirkend wurden Kalkulationsparameter im Nachhinein zulasten der Kundschaft verschlechtert und immer wieder haben die politisch Verantwortlichen neue Verschiebebahnhöfe für Gelder geschaffen, die eigentlich den Versicherten gehören.

Genutzt hat auch all diese Unterstützung anscheinend nichts. Jetzt ist eben sogar der "Genossenversicherer" soweit, die Altersvorsorge von etwa 4 Millionen Bürgerinnen und Bürgern einem gesichtslosen Unternehmen zu überantworten. Einem Unternehmen, das als Zielsetzung hat, aus den Verbraucherverträgen möglichst viel Geld für fremde Aktionäre herauszupressen. Das hat nichts mehr mit der ursprünglichen Idee einer kollektiven gemeinschaftlichen Altersvorsorge zu tun. Die ursprüngliche Idee und Philosophie der deutschen Lebensversicherung ist verraten. Jetzt wäre es an der Zeit, die betroffenen Versicherungsunternehmen zur Verantwortung zu rufen.

Was man aber vonseiten dieser Politikerinnen und Politiker dazu hört, ist - Nichts.

Diese Sprachlosigkeit der politisch Verantwortlichen ist erschreckend. Dass sich die Versicherer selbst angesichts der eigenen Unzulänglichkeiten wegducken wollen ist nachvollziehbar. Dass aber diejenigen, die die politische Verantwortung dafür tragen so tun, als ginge es sie nichts an, das ist unverzeihlich.


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Es geht um deutlich mehr Bürgerinnen und Bürger, die alleine vom Run-Off der Generali betroffen sind als der kleinste Koalitionspartner der Regierung bei der letzten Bundestagswahl Stimmen hatte.

Es wäre schön, wenn die Interessen der Versicherten ähnlich wertgeschätzt würden wie die Wünsche dieser kleinen Partei, die diese Regierung kurz vor das Zusammenbrechen geführt hat. Menschen, die mit einer Lebensversicherung Altersvorsorge betreiben, haben das Recht, zumindest wahrgenommen zu werden.

Es ist dringend an der Zeit, dass die Sprachlosigkeit der Politik endet. Erklärt endlich, warum ihr die Versicherungsunternehmen aus deren politischer Verantwortung entlasst! Und fordert endlich ein, dass sich auch Versicherungsunternehmen ihrer Verantwortung stellen!

Axel Kleinlein ist Chef des Bundes der Versicherten (BdV), Deutschlands größter Verbraucherschutzorganisation für Versicherte, und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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