13.11.2017  Siemens-Rivale GE halbiert die Dividende

General Electric droht Rauswurf aus Dow Jones

GE-Chef John Flannery (links) mit seinem Vorgänger Jeff Immelt (rechts): GE muss sparen
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GE-Chef John Flannery (links) mit seinem Vorgänger Jeff Immelt (rechts): GE muss sparen

Weiterer Schlag für die Aktionäre von General Electric : Der US-Konzern kündigte am Montag vor einer Investorenveranstaltung in New York an, die Quartalsdividende um 50 Prozent auf 12 Cent je Aktie zu kürzen.

Der US-Konzern kürzt damit erst zum zweiten Mal nach der großen Depression in den 30er-Jahren seine Ausschüttung an die Aktionäre. Dies setzt das Papier erneut unter Druck: Das Papier von General Electric ist seit Ende 2016 auf Talfahrt. Binnen 12 Monaten sank der Börsenwert von GE um mehr als ein Drittel auf zuletzt 178 Milliarden Dollar (153 Mrd Euro). Zum Vergleich: Siemens konnte seinen Börsenwert in dem Zeitraum trotz vieler eigener Probleme stabil bei rund 100 Milliarden Euro halten.

Börsenwert stark geschrumpft: GE droht Rauswurf aus dem Dow Jones

Dem Papier des 125 Jahre alten US-Traditionsunternehmens, dessen Wurzeln auf den Glühbirnen-Erfinder Thomas Edison zurückgehen, droht jetzt sogar der Rauswurf aus dem Dow Jones . Damit würde Finanzgeschichte geschrieben: GE zählte zu den Gründungsmitgliedern des weltweit bekanntesten Aktienindex, als dieser 1896 an den Start ging.

GE hat sich vom Innovationsführer zum trägen Dino der US-Wirtschaft und Prügelknaben der Wall Street entwickelt. Der seit August amtierende Konzernchef John Flannery soll jetzt das Ruder herumreißen.

Doch dafür braucht Flannery Geld - durch die jetzt halbierte Dividende behält er Quartal für Quartal rund eine Milliarde Dollar mehr im Unternehmen. "Wir verstehen die Tragweite dieser Entscheidung für unsere Investoren", sagte Flannery, "und sie ist uns deshalb nicht leicht gefallen."

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Für die Aktionäre ist es aber ein herber Schlag - zumal die Dividende erst zum zweiten Mal in der jüngeren Geschichte gekappt werden musste. Das letzte Mal war das im Sommer 2009 der Fall, als der Konzern mit den Folgen der Finanzkrise kämpfte. GE hatte damals noch eine sehr große Finanzsparte. Für viele große US-Investoren wie Pensionsfonds sind die vierteljährlichen Ausschüttungen ein wichtiger Anlagegrund, da sie ihren Anlegern regelmäßig Geld auszahlen müssen

General Electric hat bereits vor Wochen nach einem schwachen dritten Quartal seine Gewinnprognose drastisch senken müssen. Verglichen mit dem Vorjahreswert sank der Überschuss um neun Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar. Der Umsatz legte zwar um gut 14 Prozent auf 33,5 Milliarden Dollar zu, das lag jedoch vor allem am Zukauf des Ölfeldausrüsters Baker Hughes.

Preisdruck im Kraftwerksgeschäft: Auch Siemens hat Probleme

Der neue Konzernchef John Flannery hatte den Spitzenposten im August von Jeff Immelt übernommen. Der Großteil der Geschäfte habe zwar solide Ergebnisse erzielt, so Flannery zu den Quartalszahlen. Dies sei jedoch durch die schwache Energiesparte zunichte gemacht worden. Die Branche leidet unter Auftragsflaute und Preisdruck, auch Siemens tut sich hier schwer: Siemens-Chef Joe Kaeser plant unterdessen einen Kahlschlag in der Kraftwerksparte, der auch zahlreiche Jobs in Deutschland zum Opfer fallen könnten.

General Electric kappte den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr drastisch. Für 2017 stellt der Konzern nun nur noch ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 1,05 bis 1,10 Dollar in Aussicht - bislang hatte die Prognose bei 1,60 bis 1,70 Dollar gelegen.

Flannery will das Unternehmen nach der 16-jährigen Immelt-Ära umkrempeln. Am 13. November sollen Pläne vorgestellt werden, die die US-Industrie-Ikone wieder in die Spur bringen.

Nachdem der langjährige GE-Chef Jeff Immelt, der den Industrieriesen 16 Jahre lang geführt hatte, als Chairman vorzeitig zurücktreten musste, haben inzwischen auch weitere langjährige Topmanager den Konzern verlassen. Finanzvorstand Jeff Bornstein, einer der engsten Immelt-Vertrauten, verlässt den Konzern nach 28 Jahren und wird durch die bisherige Leiterin der Sparte GE Transportation, Jamie Miller, ersetzt. Auch Beth Comstock, der erste weibliche Vice Chairman bei GE, geht im jungen Alter von 57 Jahren in den Ruhestand.

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Damit ist der "Executive Shakeup", wie US-Medien die Vorgänge bei General Electric nennen, noch nicht beendet: Auch Vize-Chairman John Rice wird zum Jahresende den Konzern verlassen.

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