11.07.2018 
Wer führt künftig die Kaffee-Dynastie?

Darboven verteidigt Adoption von Jacobs

Streit über Kaffee-Firma: Arthur E. Darboven (l.) und sein Vater Albert Darboven
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Streit über Kaffee-Firma: Arthur E. Darboven (l.) und sein Vater Albert Darboven

In der Kaffee-Dynastie Darboven eskaliert der Streit um die künftige Führung des Unternehmens. Familienoberhaupt Albert Darboven will seit Jahren verhindern, dass sein Sohn Arthur an die Spitze der Firma rückt. Allerdings verhindert der Gesellschaftsvertrag, dass die Unternehmensleitung einem Nicht-Familienmitglied übertragen wird.

Nun glaubt Albert Darboven, 82, eine Lösung für dieses Dilemma gefunden zu haben: Der Unternehmer will Andreas Jacobs (54), Mitglied der berühmten hanseatischen Kaffee-Familie, zu seinem Nachfolger machen. "Meine Frau und ich wünschen uns, Herrn Dr. Jacobs auch ganz offiziell in unsere Familie aufzunehmen", schreibt Darboven am Montag in einer Stellungnahme.

Er und seine Frau Edda seien Jacobs nicht nur privat verbunden, sondern schätzen ihn auch als herausragenden Unternehmer, "der unser volles Vertrauen genießt. Wir wünschen uns, dass er unser Lebenswerk in allen Bereichen fortsetzt." Am Wochenende hatte die "Bild"-Zeitung berichtet, Darboven habe beim Amtsgericht im Hamburger Stadtteil Blankenese bereits einen Adoptionsantrag gestellt. Darboven bestätigte dies im Kern und schrieb in seinem Brief von "der geplanten Adoption". (Die gesamte Stellungnahme Darbovens können Sie hier herunterladen)

Mit dem Schritt könnte Darboven seinen Sohn sowie weitere Familienmitglieder ausbooten. Entsprechend groß ist offenbar die Sorge auf Seiten der übrigen Darbovens, wie aus einem offenen Brief von ihnen hervorgeht. "Wir sind in tiefer Sorge um dieses Unternehmen, an dem wir zusammen 42,5 Prozent der Anteile halten", schreibt Arthur Darboven - Sohn von Firmenchef Albert Darboven - mit seinen Cousins Arndt und Behrendt Darboven sowie deren Mutter Helga Darboven in einem gemeinsamen offenen Brief.

Sie warnen darin, es könne zu einem "Bruch mit den Werten des Unternehmens und der Familie" kommen. Kern des Problems ist laut dem Schreiben die Frage, wer in dem Betrieb ("Idee Kaffee") künftig das Sagen haben wird. Dabei soll es auch um die

Andreas Jacobs, Präsident der Baden Racing e.V., die die Galopprennbahn Iffezheim betreibt.
DPA
Andreas Jacobs, Präsident der Baden Racing e.V., die die Galopprennbahn Iffezheim betreibt.

Rolle von Andreas Jacobs gehen. "Es ist für uns überhaupt nicht nachvollziehbar, dass Albert Darboven, unser Vater beziehungsweise Onkel, die Führung des Familienunternehmens an Dr. Andreas Jacobs übertragen will", erklären die jüngeren Darbovens.

Eine Sprecherin von Darboven bestätigte am Wochenende den Inhalt des Briefes. Von der Jacobs-Holding in Zürich war auf Anfrage zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Bislang darf die Führung der Firma Darboven nur innerhalb der Familie weitergegeben werden. Jacobs habe jedoch "keine enge Bindung an unser Haus", argumentieren die Autoren.

Arthur Darboven hatte das heute über 150 Jahre alte Unternehmen 2009 verlassen, er handelt inzwischen selbst mit Rohkaffee. Schon früher hatte sein Vater Albert angedeutet, dass er eines Tages einen Nachfolger adoptieren oder Teile des Vermögens in eine Stiftung geben könnte.

Darboven ist derzeit der kleinste unter den fünf großen deutschen Kaffeeherstellern. Im vergangenen Jahr habe der Konzernjahresüberschuss der J.J. Darboven GmbH & Co. KG 15,8 Millionen Euro betragen, wie Darboven Senior in seinem Brief mitteilte.

Andreas Jacobs ist einer der Erben des Kaffee-Unternehmers Klaus Jacobs, der das gleichnamige Geschäft an Kraft Foods (heute Altria) verkauft hatte. Mit dem Geld bauten er und später auch sein Sohn Andreas die Familienbeteiligungen Barry Callebaut (Schokolade) und Adecco (Zeitarbeit) zu Weltmarktführern aus.

Andreas Jacobs, der selbst verheiratet ist und vier Kinder hat, hatte zuletzt seine eigene unternehmerische Arbeit etwas zurückgefahren und engagiert sich vor allem als Chairman der Business-Hochschule Insead. Mit Darboven verbindet ihn neben dem Kaffee der Pferdesport als großes gemeinsames Hobby.

cr/dpa, soc