04.07.2018  Europäischer Gerichtshof urteilt

Bei Flugverspätung muss gebuchte und nicht ausführende Airline zahlen

Bei Tui-Fly gebucht, aber mit einem Flieger der Schwestergesellschaft drei Stunden zu spät am Ziel angekommen. Tui und nicht die andere Gesellschaft muss dafür geradestehen, urteilt der EuGH
DPA
Bei Tui-Fly gebucht, aber mit einem Flieger der Schwestergesellschaft drei Stunden zu spät am Ziel angekommen. Tui und nicht die andere Gesellschaft muss dafür geradestehen, urteilt der EuGH

Bei stundenlangen Verspätungen bekommen Reisende Entschädigungen von der gebuchten Airline - auch wenn diese ein fremdes Flugzeug samt Besatzung gemietet hat. Das entschied jetzt der Europäische Gerichtshof.

Für große Flugverspätungen muss die Fluggesellschaft geradestehen, bei der die Passagiere ihr Ticket gebucht haben. Das gilt auch dann, wenn das Unternehmen Maschine und Besatzung von einer anderen Gesellschaft gechartert hat, urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Mittwoch in Luxemburg.

Die Verantwortung für den Flug liegt nach Ansicht der Richter bei der Firma, die die Route festlegt und die Reise anbietet. Sie müsse auch Entschädigungen für Verspätungen und Annullierungen an Fluggäste zahlen.

Im konkreten Fall hatten Passagiere bei Tui-Fly einen Flug gebucht, der von einer Charter-Maschine der Schwestergesellschaft Thomson Airways übernommen wurde. Beide Airlines gehören zum Reisekonzern Tui. Da der Flug mehr als drei Stunden Verspätung hatte, verlangten Passagiere von Thomson Airways eine Entschädigung nach der EU-Fluggastrechteverordnung. Thomson Airways wies die Forderungen zurück, da Tui-Fly die operationelle Verantwortung gehabt habe.

BGH: Pauschal-Urlauber bekommen Rückflug auf eigene Faust erstattet

Das Landgericht Hamburg wollte vom EuGH wissen, ob eine Fluglinie wie Thomson Airways als "ausführendes Luftfahrtunternehmen" im Sinne der Fluggastrechteverordnung anzusehen ist und so bei Verspätung Entschädigungen zahlen muss. Die Hamburger Richter müssen in dem Rechtsstreit nun im Einklang mit dem Urteil der EU-Justiz entscheiden.

Wenn ein Flug annulliert wird oder sich um mehr als drei Stunden verspätet, steht Passagieren nach EU-Recht eine Entschädigung zu. Die EU-Fluggastrechte-Verordnung sieht bei einer Flugstrecke von bis zu 1500 Kilometern 250 Euro pro Person vor. Bei Strecken von 1500 bis 3500 Kilometern sind es 400 Euro, bei über 3500 Kilometern 600 Euro.

rei/Reuters

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