28.08.2018 
Ex-Staatssekretär Losse-Müller wird Partner

EY investiert in das Geschäft mit dem Staat

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EY-Chefin Julie Linn Teigland für den deutschsprachigen Raum will mit dem neuen Partner Losse-Müller das Geschäft mit dem öffentlichen Sektor ausbauen
manager magazin
EY-Chefin Julie Linn Teigland für den deutschsprachigen Raum will mit dem neuen Partner Losse-Müller das Geschäft mit dem öffentlichen Sektor ausbauen

Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young verpflichtet einen Ex-Staatssekretär, um das Geschäft im wichtigsten Wachstumsmarkt weiter anzukurbeln - dem öffentlichen Sektor.

Thomas Losse-Müller (45) wird nach Informationen von manager-magazin.de neuer Partner der Beratungsgesellschaft EY (früher: Ernst & Young). Mit dem ehemaligen Leiter der Staatskanzlei von Schleswig-Holsteins Ex-Ministerpräsident Torsten Albig (55, SPD) will Julie Linn Teigland (48), EY-Chefin für Deutschland, Österreich und die Schweiz, ihr Geschäft mit dem öffentlichen Sektor weiter ausbauen.

Weil im Stammgeschäft mit Wirtschaftsprüfung ein beinharter Wettbewerb herrscht, sehen die vier großen Prüfkonzerne EY, KPMG, PricewaterhouseCoopers (PwC) und Deloitte Ministerien und andere Behörden seit Jahren als eines ihrer wichtigsten Wachstumsfelder.

Denn der Staat wirkt zunehmend überfordert. Herausforderungen wie Digitalisierung, Mobilität oder Energiewende erfordern milliardenschwere Investitionen. Für solche komplexen Megaprojekte fehlen der öffentlichen Hand aber zunehmend Knowhow und Managementfähigkeiten. Transformationsprojekte wie der Aufbau der neuen Bundesautobahnverwaltung, bei der 11.000 Mitarbeiter und erhebliche Anlagevermögen von den Ländern auf den Bund übertragen werden, oder die Reform der verkrusteten Bundeswehr sind ohne Berater kaum noch denkbar. Um sich diese Etats zu sichern, investieren die Großberater in das Geschäft mit der öffentlichen Hand.

Losse-Müller soll mehr Steuergeld in die Kasse von EY lenken

Thomas Losse-Müller
DPA
Thomas Losse-Müller

Der neue EY-Partner Losse-Müller soll weitere Steuergelder in die Kasse von EY lenken. Der 45-Jährige bringt Erfahrungen aus dem privaten und öffentlichen Sektor mit - noch immer eine recht seltene Mischung für einen deutschen Manager. Bei der Deutschen Bank in London sammelte Losse-Müller einst Finanzkompetenz. Dann arbeitete er viele Jahre bei der Weltbank in Washington, ehe er 2012 Finanzstaatssekretär in Schleswig-Holstein wurde. Von 2014 bis 2017 leitete Losse-Müller die Staatskanzlei in Kiel von Ministerpräsident Albig. Er gilt als Experte für Digitalisierung und Reform der öffentlichen Verwaltung.

Losse-Müller berichtet ab dem 1. September an EY-Partner Bernhard Lorentz (47), Leiter "Government & Public Sector". Der Bereich des ehemaligen Chefs einer der größten Stiftungen im Land, der Stiftung Mercator in Essen, wird um die gesamte Infrastrukturpraxis erweitert. Zudem rückt Lorentz in das wichtigste Führungsgremium von EY-Regionalchefin Teigland ein.

Lorentz war 2015 aus dem Auswärtigen Amt zu EY gewechselt. In den vergangenen zwei Jahren setzte sich EY bei den Ausschreibungen mehrere Bundesministerien durch und berät nun unter anderem das Bundesverteidigungsministerium, die Bundesagentur für Arbeit und das Bundesverkehrsministerium.

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