23.11.2017 
Coroplast

Wenn die Tochter-Firma in der Autobranche durchstartet

Von
Coroplast-Chefin Natalie Mekelburger: "Die besten Erfahrungen bei Kundenbesuchen gesammelt"
Felix Gemein für manager magazin
Coroplast-Chefin Natalie Mekelburger: "Die besten Erfahrungen bei Kundenbesuchen gesammelt"

Ihr Vater wollte sie erst gar nicht als Nachfolgerin. Doch Natalie Mekelburger setzte sich durch und machte aus dem Wuppertaler Autozulieferer einen globalen und innovativen Player.

Die Autobranche ist ja bekanntlich eine Machowelt. Die Karossen werden von Benzin getrieben, ihre Macher von Testosteron.

Wie kommt man da als Frau, die seit Jahren eine große Zuliefererfirma leitet, zurecht, Natalie Mekelburger?

"Ich habe keine Probleme", antwortet sie. Die Automanager unterschieden nicht nach Geschlecht. Der Margendruck betreffe alle Zulieferer. Im Übrigen gebe es auch in ihrer Industrie immer mehr weibliche Führungskräfte.

Kabel verbindet
Die Entrepreneurin
Natalie Mekelburger (51) studierte in Augsburg Betriebswirtschaftslehre. Danach ging sie zur Unternehmens­beratung Droege in Düsseldorf. 1994 fing sie als Leiterin Vertrieb und Marketing bei Coroplast an. 1999 wurde sie eine von drei Geschäftsführern. Seit 2006 ist sie Vorsitzende der Geschäftsführung.
Das Unternehmen
Coroplast wurde 1928 von Fritz Müller in Wuppertal-Barmen gegründet. Er stellte damals Isolierbänder her. Später übernahm sein Neffe Kurt Müller, der Vater von Natalie Mekelburger, die Firma. Heute besteht Coroplast aus drei Geschäftsbereichen: technische Klebebänder, Kabel und Leitungen sowie Leitungssatzsysteme. Das Unternehmen hat 6200 Beschäftigte und macht einen Umsatz von 470 Millionen Euro. Rund 80 Prozent davon erzielt es mit ­Firmen der Autoindustrie, darunter inzwischen auch Tesla.

Das mag alles stimmen. Was sie aber nicht sagt, sondern andere über sie: Die Frau begegnet den Herren der Branche mindestens auf Augenhöhe. Und das nicht nur wegen ihrer Größe. Sie sei tough, willens- und durchsetzungsstark - genauso wie ihre Gegenüber auf der anderen Seite des Verhandlungstisches.

Seit 2006 ist Mekelburger Vorsitzende der Geschäftsführung der Coroplast Gruppe in Wuppertal. 470 Millionen Euro Umsatz, 6200 Beschäftigte. Das Familienunternehmen stellt Kabel, Leitungen, Kabelbäume vor allem für die Autoindustrie her. Und Klebebänder, die es auch im Baumarkt gibt. Aber 80 Prozent des Umsatzes wird mit Autofirmen gemacht.

Es war kein leichter Wege für Natalie Mekelburger an die Spitze. Den wichtigsten Kampf musste sie gegen den eigenen Vater, Fritz Müller, bestehen. Der hatte sie zwar schon früh zu Managementtagungen, die meist in den österreichischen Bergen stattfanden, mitgenommen. Aber er konnte sich überhaupt nicht vorstellen, dass sein Unternehmen mal von einer Frau geführt werden würde.

Tochter Natalie konnte das in jungen Jahren auch nicht und wollte deshalb Biologie studieren. Es wurde dann aber doch Betriebswirtschaftslehre in Augsburg. Und danach ging es nicht ins elterliche Unternehmen, sondern nach Düsseldorf zur Unternehmensberatung Droege.

Dort lernte sie mit ihren Mandaten auch die Konzernwelt kennen und kam zu dem Schluss: "Da muss man anpassungsfähig sein, sich unterordnen und sich durch die Hierarchien wühlen." Das sei nicht ihre Welt.

So stieg sie 1994 doch ins väterliche Unternehmen ein. Zwar hat sie noch drei Geschwister, eine Schwester und zwei Brüder, aber alle drei hatten keine Ambitionen auf die Nachfolge. Schwester Constanze leitet das Marketing des Unternehmens.

Natalie Mekelburger fing zunächst als Leiterin von Vertrieb und Marketing an. Sie musste sofort raus an die Verkaufsfront. Ein Vorteil: "Meine größten und besten Erfahrungen habe ich bei Kundenbesuchen gesammelt."

Überblick: Das sind die Entrepreneure des Jahres 2017

Mit ihrem Eintritt ins Unternehmen begann auch die Internationalisierung der Gruppe, mit einer Produktion in Polen. "Das war Pionierarbeit", blickt sie zurück und erzählt amüsiert von den langen Anfahrtszeiten über holprige Straßen nach Oberschlesien. 1999 folgte der Schritt nach Mexiko, 2004 ging es dann nach China.

Dort schloss Coroplast - was ziemlich ungewöhnlich ist - kein Joint Venture, sondern etablierte in Taicang bei Shanghai eine Firma in eigenem Besitz. Mit seinen Auslandsstandorten ist Coroplast auf den wichtigsten Automärkten - China, Nafta und Europa - vertreten. Ein kleiner Multi sozusagen.

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