25.07.2017 
Legendärer Wagniskapitalgeber enttäuscht Anleger

Bei Earlybird häufen sich die Fehlgriffe

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Earlybird-Gründer Hendrik Brandis: Die Pechsträhne wird zum Problem
imago/photothek
Earlybird-Gründer Hendrik Brandis: Die Pechsträhne wird zum Problem

Die Wagniskapitalgeber von Earlybird gehören zu den Urgesteinen der deutschen Investorenszene. Das Team um die Gründer Hendrik Brandis (53) und Christian Nagel (56) hat den Zusammenbruch des "Neuen Markts" überlebt und eine der ersten VC-Erfolgsgeschichten des Landes geschrieben.

Deals, wie die Beteiligung an der Finanzierungsberatung Interhyp , bei der Earlybird seinen Einsatz mehr als verfünfzigfachte, sorgten für einen legendären Ruf. Auch beim Onlinelottodienst Tipp24 oder der Softwarefirma 6Wunderkinder, die 2015 an Microsoft ging, waren die Berliner investiert. Brandis, der mit seiner Yacht "Earlybird" viermal Segelweltmeister wurde, schärfte sein Image als nahbarer Start-up-Guru.

Zuletzt häuften sich jedoch die Fehlgriffe: Das Auktionshaus Auctionata schlitterte genauso in die Insolvenz wie der "Robo-Advisor" Cashboard. Das Umzugsstart-up Movinga, in das Earlybird bereits zweimal Geld pumpte, verbrannte die Wagnismillionen im Rekordtempo.

Die Pechsträhne wird zum Problem. Einen neuen, mindestens 150-Millionen-Euro-schweren Wagnisfonds wollten Brandis, Nagel & Co. eigentlich schon vor Monaten geschlossen haben. Doch die Geldgeber zieren sich. Zuletzt sprang die Allianz ab, die für bis zu 100 Millionen Euro im Gespräch war. Nicht wenige in der Szene glauben, der Fonds könne nun gar nicht mehr aufgelegt werden.

Bilanz der Fonds blieb zuletzt hinter Erwartungen zurück

Earlybird hält mit branchentypischem Optimismus dagegen, man werde das Geld bis Jahresende zusammenhaben. Man habe bereits ein "erstes Closing" erreicht und neun Investments getätigt - darunter Movinga.

Mitverantwortlich für die grassierende Skepsis dürfte die schlechte Bilanz der Vorjahre sein. Während der erste Fonds (Volumen: 30 Millionen Euro) das Geld der Investoren dank Stars wie Tipp24 und Interhyp mindestens verdreifachte, blieben spätere Fonds hinter den Versprechungen zurück. Aus Fonds Nummer Vier, aufgelegt 2007, flossen laut Investoren erst magere 14 von 128 Millionen an sie zurück. Earlybird spricht hingegen von einem "sehr guten Fonds" und bisherigen Rückzahlungen in Höhe von 41 Millionen Euro, die man zum Teil "mit Einzahlungen verrechnet" habe.

So oder so: Da wäre ein Tagesgeldkonto wohl rentabler gewesen. Bei Fonds Nummer 3 (Volumen: 113 Millionen US-Dollar) räumt selbst Nagel ein, "keine gute Performance" geliefert zu haben.

Dass die Earlybird-Stars Ciarán O'Leary (37) und Jason Whitmire (46) im Sommer 2015 also genau vor Earlybirds neuem Fundraising absprangen und sich mit ihrem eigenen Fonds Blueyard selbständig machten, erschütterte das Vertrauen der Investoren zusätzlich. Die beiden Ex-Partner zeigen ihren alten Kollegen, wie man Geldgeber in Rekordzeit überzeugt: Nach ihrer Nestflucht dauerte es nur gut sechs Monate, bis sie den Abschluss eines 120-Millionen-Dollar-Fonds verkünden konnten. Ein Investment ihrer Firma Blueyard gilt in Gründerkreisen bereits als Ritterschlag - ein Image, über das sich lange auch Earlybird freute.

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