08.06.2018  Post-Chef Appel erwartet 1 Milliarde weniger Gewinn

Gewinnwarnung - Deutsche Post kappt Gewinnprognose

Post-Chef Frank Appel schickt die Aktie mit schlechten Nachrichten tief in den Kurskeller
DPA
Post-Chef Frank Appel schickt die Aktie mit schlechten Nachrichten tief in den Kurskeller

Die Deutsche Post streicht überraschend ihre Jahresprognose um rund eine Milliarde Euro zusammen. Der Konzern peilt für dieses Jahr nur noch einen operativen Gewinn (Ebit) von rund 3,2 Milliarden Euro an, teilte der Logistikkonzern am Freitag mit. Bisher hatte Post-Chef Frank Appel 4,15 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Mit dem neuen Ausblick würde der Betriebsgewinn 2018 noch unter die 3,7 Milliarden Euro des Vorjahres fallen. An der Mittelfristplanung für 2020 mit einem Ebit in Höhe von mindestens fünf Milliarden Euro hält Appel fest. "Wir nehmen jetzt bewusst kurzfristige negative Ergebniseffekte in Kauf, um langfristig nachhaltiges Wachstum zu sichern", erklärte der Post-Chef. Das Unternehmen hat mit den Folgen zu kämpfen, die ein höheres Paket- und ein niedrigeres Briefaufkommen mit sich bringen.

An der Börse flüchteten die Anleger nach der Gewinnwarnung aus der Aktie. Die Papiere der Post verloren zeitweise bis zu 8,8 Prozent auf 29,82 Euro und bildeten damit das Schlusslicht im Leitindex Dax. "Die Prognosesenkung kam völlig überraschend", sagte ein Händler. "Dass das Briefgeschäft nicht gut läuft, war bekannt, aber dass es so schlecht ist, wurde nicht erwartet."

Kosten in der Paketsparte wachsen zu schnell

Appel will die Produktivität steigern und die Kosten senken. Ein Gewinnrückgang im Brief- und Paketgeschäft hatte den Konzern im ersten Quartal gebremst. Die Sparte war einst das große Sorgenkind des Logistikriesen, denn das Briefgeschäft schrumpfte durch den Siegeszug der E-Mail und anderer elektronischer Kommunikationswege jedes Jahr. Der boomende Online-Handel verlieh dem Paketgeschäft aber Flügel und kurbelte den Umsatz an, die Post eilte hier von Rekord zu Rekord. Doch zuletzt holten alte Probleme Appel ein, weil in der Sparte die Kosten schneller wachsen als die Umsätze.

Denn die Beschäftigten verdienen dank eines Tarifvertrags mit der Gewerkschaft Verdi seit vergangenem Oktober weitere 1,7 Prozent mehr, in diesem Oktober kommen noch einmal 3 Prozent dazu. Zudem wütete die Grippewelle in Deutschland im Winter auch bei der Post, hohe Krankenstände führten zu Zusatzkosten. Außerdem steigen auch die Frachtraten und die Post investierte kräftig.

Mehr Erlöse erhofft sich die Post von angekündigten Preissteigerungen. So soll das Porto im Bereich der Bücher- und Warensendungen um bis zu 44 Prozent steigen.Appel räumte am Freitag ein, dass das Unternehmen in den vergangenen Jahren zu wenig in die Weiterentwicklung des operativen Geschäfts investiert habe. Jetzt will der Konzernchef jährlich zusätzlich 100 bis 150 Millionen Euro in die Hand nehmen, um dies nachzuholen und jährlich Einsparungen in Höhe von 150 bis 250 Millionen Euro zu erzielen. Gesparte Kosten von mindestens 200 Millionen Euro verspricht sich Appel zudem vor allem von einem Vorruhestandsprogramm, für das 2018 zunächst Aufwendungen von 500 Millionen Euro anfallen.

Rei/Reuters

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