31.05.2017 
Größter deutscher Digital-IPO seit 2014

Delivery Hero testet Börsengang

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Will liefern: Niklas Östberg, Vorstandschef von Delivery Hero.
Jussi Ratilainen / Delivery Hero
Will liefern: Niklas Östberg, Vorstandschef von Delivery Hero.

Der voraussichtlich größte Börsengang eines deutschen Digitalunternehmens seit Rocket Internet im Herbst 2014 erreicht seine sensible Phase: Das Berliner Start-up Delivery Hero bereitet nach Informationen von manager-magazin.de die Werbetour für die bereits mehrfach in Aussicht gestellte Erstnotiz vor. In den vergangenen Wochen hat das Management um CEO Niklas Östberg demnach sein Geschäftsmodell - das Vermitteln und Ausliefern von Onlinebestellungen für Restaurants - vor Analysten derjenigen Banken präsentiert, die das Unternehmen mit einem Umsatz von zuletzt 297 Millionen Euro an die Börse bringen sollen.

Diese Analysten erstellen nun Berichte, mit denen ihre Kollegen in der Verkaufsberatung auf Investoren wie klassische Fondsgesellschaften zugehen sollen, bei denen sie Interesse an einem Einstieg im Falle eines Börsengangs vermuten. Delivery Hero, das in Deutschland unter Marken wie Lieferheld oder Foodora bekannt ist, meldet beständig hohe Verluste und begründet das mit den hohen Kosten für die weitere Expansion.

Dieses so genannte "Pre-Sounding" der beauftragten Investmentbanken ist klassischerweise die letzte Vorstufe vor der finalen - und damit vergleichsweise öffentlichen - Phase des Börsengangs (Initial Public Offering - IPO): Der so genannten "Road Show", bei der das Management sich und sein Unternehmen den Investoren präsentiert, ein Prospekt für den Börsengang mit zahlreichen Daten und eine Preisspanne für die Aktie samt Frist für den ersten Verkauf zur Verfügung stellt. Vergangene Woche hatte die Nachrichtenagentur Reuters mit Berufung auf Insider berichtet, dass Delivery Hero eine Erstnotiz im Juli anpeile.

Ein erfolgreicher Börsengang Delivery Heros wäre vor allem für den Großaktionär Rocket Internet wichtig. Der Berliner Start-up-Investor hält gut 33 Prozent der Unternehmensanteile, Rocket-Boss Oliver Samwer hatte seinen

Aktionären mehrfach den Börsengang einer seiner Beteiligungen versprochen. Rocket war 2015 bei Delivery Hero eingestiegen und hat seinen Anteil daraufhin sukzessive erhöht. Auf einen Sitz im Aufsichtsrat musste Samwer jedoch verzichten. Offen bleibt indes, welche Bewertung Delivery Hero zum Börsengang erreichen wird. Zuletzt soll sie nach Informationen von manager magazin leicht auf rund 3,8 Milliarden Euro gestiegen sein.

Der Hintergrund: Mitte Mai hatte der südafrikanische Medienkonzern Naspers 387 Millionen Euro in das Unternehmen investiert und dafür einen Anteil von gut zehn Prozent erhalten. Der Einstieg von Naspers, heißt es, sollte dem Geschäftsmodell Delivery Heros so kurz vor dem geplanten Börsengang Autorität verleihen, ist aber auch gleichzeitig eine Rückfalloption für den Fall des Scheiterns: "Jetzt ist erst einmal genügend Geld da", sagt ein Insider.

Bei Rocket Internet haben Handling und Details des Investments für Verstimmung gesorgt. Pikantes Detail: Ein Vertreter von Naspers sitzt nun im Aufsichtsrat von Delivery Hero - auch wenn das Unternehmen nur gut zehn Prozent der Anteile hält - und damit deutlich weniger als Rocket. Mit dem Börsengang beauftragt sind unter anderem die Top-Investmentbanken JP Morgan, Goldman Sachs und Citi. Zwischenzeitlich hatte die Deutsche Bank die führende Rolle inne und hatte dem Mandat intern aufgrund der Prominenz in der Digitalszene auch eine hohe Bedeutung beigemessen. Inzwischen ist sie aber von dem Mandat zurückgetreten - die genauen Gründe blieben bislang unklar.

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