28.01.2019 
Dammbruch in Brasilien

TÜV Süd hatte Unglücksdamm erst im September geprüft

Schlammlawine: Nach dem Dammbruch an der Eisenerzmine werden noch mehr als 300 Menschen vermisst
DPA
Schlammlawine: Nach dem Dammbruch an der Eisenerzmine werden noch mehr als 300 Menschen vermisst

Der weltgrößte Eisenerz-Konzern Vale legt nach der Dammbruch-Katastrophe in Brasilien geplante Dividenden, Aktienrückkäufe und Manager-Boni auf Eis. Dies habe der Verwaltungsrat in einer außerordentlichen Sitzung beraten, teilte der Bergbaukonzern in der Nacht zum Montag mit. Vale betreibt die Eisenerz-Mine im Bundesstaat Minas Gerais, deren Damm am Freitag brach.

Es sei auch die Gründung von zwei Gremien mit externen Beratern beschlossen worden, um den Verwaltungsrat zu unterstützen, hieß es weiter. Ein Ausschuss solle sich um Unterstützung für die Hinterbliebenen und die Schäden des Dammbruchs kümmern. Die andere Gruppe solle die Ursachen der Katastrophe untersuchen.

Im Video: Angehörige werfen Vale Profitgier vor

Nach dem Dammbruch nahe der Ortschaft Brumadinho im Bundesstaat Minas Gerais ist die Zahl der bestätigten Todesopfer jüngsten Angaben zufolge auf 58 gestiegen. 305 weitere Menschen wurden noch vermisst, wie die Zivilschutzbehörde am Sonntag mitteilte. Die Zahl der Toten dürfte demnach noch weiter steigen. "Es sind viele Vermisste. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie tot sind, ist erheblich gestiegen", sagte der Minister für regionale Entwicklung, Gustavo Canuto. Am Sonntag konnten die Rettungskräfte keine Überlebenden bergen.

Der Damm an der Mine des Bergbaukonzerns Vale war am Freitag gebrochen. Eine Schlammlawine war über Teile der Anlage und benachbarte Siedlungen gerollt. Wie es genau zu dem Unfall kam, sei noch unklar, sagte Vale-Präsident Fábio Schvartsman am Sonntag. Das Umweltministerium kündigte eine Strafe in Höhe von 250 Millionen Reais (58 Millionen Euro) gegen den Konzern Vale an. Insgesamt ergossen sich nach Angaben von Vale rund zwölf Millionen Kubikmeter Schlamm über die Anlage und die nahe liegenden Siedlungen.

TÜV Süd aus Deutschland hatte Dämme geprüft

Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein, um die Verantwortlichen für das Unglück zu ermitteln. Die brasilianische Justiz fror bereits elf Milliarden Reals (2,6 Milliarden Euro) auf den Konten von Vale für mögliche Entschädigungszahlungen ein. Außerdem wurde das Unternehmen vom Staat und vom Bundesstaat mit ersten Strafen in Höhe von 81 Millionen Euro belegt.

Der TÜV Süd hatte die Dämme im vergangenen Jahr geprüft, wie das Unternehmen in München auf Anfrage bestätigte. "Wir werden die Ermittlungen vollumfänglich unterstützen und den Ermittlungsbehörden alle benötigen Unterlagen zur Verfügung stellen", teilte der TÜV Süd mit.

Zweite Tragödie innerhalb von vier Jahren, für die Vale verantwortlich ist

Der verheerende Dammbruch hat dem ohnehin schon angeschlagenen Image von Vale einen empfindlichen Schlag verpasst. Das Unglück ist bereits die zweite große Tragödie innerhalb von vier Jahren, für die der Konzern verantwortlich ist. Bei der "Tragödie von Mariana" im Jahr 2015 kam es in einem Eisenerzbergwerk in Minas Gerais ebenfalls zu einem Dammbruch an einem Rückhaltebecken. Seinerzeit kamen 19 Menschen ums Leben.

Das damalige Betreiberunternehmen Samarco gehörte Vale sowie dem australisch-britischen Konzern BHP. Eine riesige Welle mit Schlamm und schädlichen Stoffen ergoss sich in angrenzende Ortschaften und kontaminierte den Fluss Rio Doce auf rund 650 Kilometern Länge. Bis in den Atlantik floss die braunrote Brühe. Bis heute leidet das Land unter der Umweltkatastrophe.

"Diese neue Katastrophe ist die traurige Konsequenz davon, dass die brasilianische Regierung und die Bergbauunternehmen nichts dazugelernt haben", sagte Nilo D'Ávila von der Umweltorganisation Greenpeace. "Das ist kein Unfall, sondern ein Umweltverbrechen, das bestraft werden muss."

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