28.06.2018  Buchtipp: "The Space Barons"

Der Weltraum-Wettlauf der Tech-Milliardäre

Von Eva Müller und

4. Teil: Agentenspiele um die Supercomputer der Zukunft

US-Autor David Ignatius siedelt seinen neuen Spionageroman in der IT-Welt an. Realistischer geht's kaum.

Abwehr: Die Nato rüstet sich zum Kampf gegen neue Superintelligenzen, das Foto zeigt die Übung "Locked Shieds"
REUTERS
Abwehr: Die Nato rüstet sich zum Kampf gegen neue Superintelligenzen, das Foto zeigt die Übung "Locked Shieds"

Die Entwicklung des Quantencomputers gilt als eines der entscheidenden technologischen Wettrennen der Gegenwart. Google, Intel, IBM und Microsoft forschen mit Hochdruck an Quantenchips, die die Leistung heutiger Rechner um ein Vielfaches übertreffen und der künstlichen Intelligenz zum Durchbruch verhelfen sollen. Besonders weit ist ein kanadisches Start-up, das von Goldman Sachs und Amazon-Gründer Jeff Bezos finanziert wird - und vom US-Geheimdienst CIA.

Buchtipp

David Ignatius
The Quantum Spy: A Thriller

W W Norton & Co Inc, 336 S., gebunden, engl. November 2017, 17,87 Euro

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Die Minifirma auf der Payroll des Spionagedienstes inspirierte US-Autor David Ignatius zu seinem neuem Plot, den er zum Wettkampf der Supermächte hochjazzt, mit Verweis auf die erbitterte Rivalität um die Atombombe im 20. Jahrhundert.

In "Quantum Spy" wollen nicht nur die Amerikaner das Schicksal der privaten Forschertruppe kontrollieren (die hier nicht in Kanada, sondern in Seattle sitzt), auch die Chinesen sind hinter der bahnbrechenden Technik her. Ihr Informant ist ein Maulwurf in den Reihen der CIA.

Das recht konventionelle Katz-und-Maus-Spiel bezieht seinen Reiz aus der Kühle, mit der Ignatius auf die Agentenszene blickt, die er für die "Washington Post" mehr als ein Vierteljahrhundert redaktionell begleitet und in mehreren Bestsellern verarbeitet hat ( "Der Mann, der niemals lebte"). Er zeigt die Agency als rüden Laden voller Vorurteile, die die Mission fast zum Scheitern bringen.

Protagonist Harris Chang, der den Maulwurf aufspüren soll, leidet unter dem versteckten Rassismus seiner Kollegen, die den Amerikaner mit chinesischen Wurzeln trotz seines Armeeeinsatzes im Irak-Krieg nicht als einen der ihren anerkennen. Das liefert Chang fast dem Gegner aus. Eine Agentin wiederum hat mit Sexismus zu kämpfen.

Ignatius ist kein literarisches Krimigenie wie John le Carré, er erzählt seine Story in großen Teilen über Dialoge, viele Szenen spielen in Hotels und Konferenzsälen. Aber das Buch ist packend inszeniert. Nicht nur für Quanten-Nerds.
Eva Buchhorn

4 / 6

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