16.05.2018  Buchtipp

Wie Sie am effizientesten arbeiten

Von Eva Müller und
Perfekte Planung: Von Roald Amundsens Expedition zum Südpol können sich Manager einiges abschauen, meint Autor Hansen
AFP
Perfekte Planung: Von Roald Amundsens Expedition zum Südpol können sich Manager einiges abschauen, meint Autor Hansen

3. Teil: Warum Millennials zu effizient für ihr eigenes Wohl sind

Millennials gelten als anspruchsvoll, faul und verzogen
Getty Images
Millennials gelten als anspruchsvoll, faul und verzogen

Millennials, also die Geburtsjahrgänge zwischen 1980 und 2000, gelten als Horror für Personaler. Sie seien anspruchsvoll, faul und verzogen, so das gängige Klischee, ohne Avocadotoast nicht überlebensfähig. Wer Millennials im Unternehmen halten wolle, müsse als Erstes mal einen Barista anstellen.

Buchtipp

Malcolm Harris
Kids These Days: Human Capital and the Making of Millennials

Little, Brown and Company, 272 S., gebunden, engl. November 2017, 16,06 Euro

Jetzt kaufen

Malcolm Harris, Redakteur der Zeitschrift "The New Inquiry" und Jahrgang 1988, also selbst ein Millennial, hat nun eine Art Verteidigungsschrift seiner Generation verfasst. Sie ist zugleich eine Anklage (was natürlich genau zum Klischee der stets klagenden Millennials passt). Die so düstere wie überzeugende Analyse des kurzen Buches: Mit den Millennials hat die Gesellschaft eine Kohorte von Arbeitern produziert, die schlichtweg "zu effizient für ihr eigenes Wohl" sind.

Um seinesgleichen zu analysieren, geht der Autor den sozioökonomischen Entwicklungen nach, die die Generation geprägt haben. Er zeichnet das Bild einer Alterskohorte, die so stark wie keine zuvor von Marktkräften geprägt wurde.

Der Konkurrenzdruck sei so groß, dass bereits die Kindheit als Aufbauphase für Humankapital uminterpretiert werde - mit Risikomanagement als dominierender Erziehungsstrategie. In einem solchen System können schon qua Definition die wenigsten bestehen. Das Ergebnis ist eine Generation, die gebildeter ist als all ihre Vorgängerkohorten - und zugleich die erste, die ökonomisch schlechter gestellt ist als ihre Eltern. Hyperkompetitive Arbeitsmaschinen treffen auf prekäre Jobs.

Sehen Sie hier: Die aktuelle Bestsellerliste aus der Wirtschaftskultur

Obwohl sich Harris auf die amerikanische Gesellschaft konzentriert, treffen die Grundzüge seiner Analyse auch auf Europa zu. Der Autor offeriert dabei keinerlei Lösungsansätze. Er versteht sein Buch vielmehr als eine eindringliche Warnung vor einem Weiter-so. Setzt sich der Trend der gesellschaftlichen Polarisierung fort, so zeigt Harris überzeugend auf, dürften Avocadotoasts künftig das geringste Problem sein.
Eva Müller

3 / 4