28.06.2018  Buchtipp: "The Space Barons"

Der Weltraum-Wettlauf der Tech-Milliardäre

Von Eva Müller und

2. Teil: Lernen vom Pokerprofi

Wie man Entscheidungen trifft, ohne alle Fakten zu kennen.

 Scharfer Blick: Pokerprofil Annie Duke hält Entscheider zur Selbstkritik an
Getty Images Sport/Getty Images
Scharfer Blick: Pokerprofil Annie Duke hält Entscheider zur Selbstkritik an
Buchtipp

Annie Duke
Thinking in Bets: Making Smarter Decisions When You Don't Have All the Facts

Portfolio Penguin, 288 Seiten, Geb. Ausgabe, engl., Feb. 2018, 20,49 Euro

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Mit 26 Jahren gab Annie Duke ihr Doktorandenprogramm in kognitiver Psychologie an der Universität von Pennsylvania auf und verlegte sich auf professionelles Pokern. In den 20 Jahren ihrer Karriere sammelte sie mehr als vier Millionen Dollar Preisgeld ein und gewann das begehrte Armband in der World Series of Poker, der prestigeträchtigsten Turnierserie. Die Lehren aus dieser Zeit hat sie nun in einem Buch zusammengefasst - es ist eine Art nachgeholte Dissertation.

"Thinking in Bets" ist geschrieben für Manager. Pokerspieler und Wirtschaftsbosse, so die psychologisch geschulte Zockerin, hätten eines gemeinsam: Sie müssen in Unsicherheit und unter Zeitdruck entscheiden, mit massiven finanziellen Konsequenzen.

Dass dies oft genug schiefgeht, weiß man seit den Forschungen Daniel Kahnemans, die Duke anschaulich und mit vielen Beispielen auf ihr Metier überträgt. Der Mensch überschätzt sich, verwechselt glauben und wissen und schreibt sein Scheitern dem Zufall zu (bei anderen hält er es für Unfähigkeit). Sehr gute Pokerspieler versuchen, zu sich selbst auf Distanz zu gehen: Sie betrachten einen Sieg weder als Geniestreich noch als pures Glück, sondern als ein Zwischending: eine Wette. "Wir gewinnen Wetten, indem wir unsere Annahmen über die Welt schonungslos neu fassen, wenn es nötig ist", schreibt Duke.

Dem einsamen Entscheider auf der Konzernkommandobrücke rät die Autorin zu Diversity. Unabhängige Köpfe mit unterschiedlichen Perspektiven denken gründlicher, meint sie. Dukes Weltklassepokerkumpel übten sich nach den Turnieren in kollegialer Kritik und Selbstkritik, selbst wenn sie am Spieltisch Gegner waren: "Je besser einer spielt, desto selbstkritischer ist er in der Regel." Ein weiterer Vorteil des Denkens in Wetten: Man steht vor sich selbst und vor anderen besser da. "Ich war mir zu 58 Prozent sicher" klingt einfach eleganter als "Ich lag falsch". Da hat sie zu 100 Prozent recht.

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