30.08.2018 
Brexit

Panasonic flieht aus London nach Amsterdam

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 Bye bye London: Panasonic zieht seine Europa-Zentrale aus London ab
AFP
Bye bye London: Panasonic zieht seine Europa-Zentrale aus London ab

Noch ist unklar, wie es nach dem 29. März 2019 weitergeht. Dann nämlich will Großbritannien die EU verlassen. Wird es ein "harter" Brexit ohne Übergangsregelungen für Unternehmen und Arbeitnehmer? Mit der Ungewissheit können viele Unternehmen nur schwer leben. Sie sind längst dabei, sich auf den schlimmsten Fall vorzubereiten.

Banken zum Beispiel ziehen bereits jetzt Personal ab aus der Finanzmetropole London. Andere Finanzinstitute haben diesen Schritt angekündigt. Im Zuge des Brexit könnte London zwischen 5000 und 10.000 Banker verlieren, schätzen Experten. Für in Großbritannien tätige ausländische Industrieunternehmen steht mehr auf dem Spiel. Viele von ihnen sind schon lange auf der Insel aktiv, haben Milliarden in den Aufbau einer Produktion investiert. Für sie ist es komplizierter, sie können nicht mal eben die Zelte abbrechen. So hoffen sie noch auf Einsicht der Politik, lassen es an Warnungen aber nicht fehlen:

Nach Airbus etwa warnte zuletzt auch BMW die britische Regierung mit unmissverständlichen Worten vor den Folgen eines harten Brexit. Sollte es bis zum Ende des Sommers keine Klarheit geben, müsse man Investitionen auf der Insel überdenken. Der deutsche Autobauer stellt unter anderem den Mini und Autos der Marke Rolls-Royce auf der Insel her und beschäftigt rund 8000 Menschen auf der Insel.

Wer es sich finanziell und strategisch leisten kann, setzt dagegen auf ein Ende mit Schrecken als auf das Gegenteil:

Der japanische Elektronikkonzern Panasonic hat in der Nacht zu Donnerstag angekündigt, wegen des Brexit seinen europäischen Hauptsitz von London nach Amsterdam zu verlagern, berichtet die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei am Donnerstag. Der Schritt werde im Oktober 2018 vollzogen, sagte Panasonic-Europa-Chef Laurent Abadie der Zeitung. Abadie fürchtet dem Bericht zufolge, dass die Regierung in Tokio Großbritannien künftig als Steuerparadies identifizieren und dort tätige japanische Unternehmen dann mit höheren Steuern in der Heimat belasten könnte. Der Umzug garantiere außerdem den freien Waren- und Personenverkehr.


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Zum Hintergrund: Die Regierung von Premierministerin Theresa May hatte in Aussicht gestellt, den Körperschaftssteuersatz von 20 Prozent schrittweise aber deutlich zu senken, um multinationale Konzerne nach dem Austritt Großbritanniens aus dem europäischen Binnenmarkt im Land zu halten.

Auch wenn einige japanische Versicherer diesen Schritt ebenfalls angekündigt haben, gilt der operative Rückzug von japanischen Konzernen aus Großritannien bislang als seltener Fall. Vor einer allzu großen logistischen Herausforderung indes dürfte Panasonic mit dem geplanten Abzug nicht stehen. Lediglich 30 Menschen sind in der Londoner Europa-Zentrale von Panasonic beschäftigt, heißt es in dem Bericht.

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