02.11.2018 
Entrepreneure des Jahres (2) - Berliner Glas und Fischer Group

Glänzende Nischen

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Zwei Sieger, zwei Welten: Berlin und Schwarzwald. Aber trotzdem haben sie eine Gemeinsamkeit - sie sind als Zulieferer mit innovativen Produkten auf dem Weltmarkt erfolgreich. Beide wurden in der Sparte "Industrie" zu Entrepreneuren des Jahres gekürt.

Streifenfrei: Herbert Kubatz (l.) und Andreas Nitze führen Berliner Glas
Henning Kretschmer für manager magazin
Streifenfrei: Herbert Kubatz (l.) und Andreas Nitze führen Berliner Glas


Seit 22 Jahren wird von der Beratungsgesellschaft EY (früher Ernst & Young) der Wettbewerb "Entrepreneur des Jahres"veranstaltet. manager magazin ist Partner des Wettbewerbs, bei dem wachstumsstarke und innovative Unternehmen in folgenden fünf Kategorien gekürt werden: Industrie, Konsumgüter/Handel, Dienstleistung, Digitale Transformation und Junge Unternehmen.

Die fünf Sieger werden von einer renommierten Jury (darunter Unternehmer Patrick Adenauer und Bertelsmann-Gesellschafterin Brigitte Mohn) ausgewählt. Außerdem bestimmt die Jury zwei Ehrenpreisträger. Zum einen wird ein erfolgreiches Familienunternehmen geehrt, zum anderen ein Unternehmen für außergewöhnliches soziales Engagement. Die Preise wurden bei einer Gala im Deutschen Historischen Museum in Berlin überreicht. Aus den fünf Kategoriesiegern wird ein Primus inter pares ausgewählt, der Deutschland bei der Wahl zum "World Entrepreneur of the Year" vertritt. Dieses Event, bei dem sich über 50 Landessieger präsentieren, findet im Frühjahr in Monte Carlo statt. Mehr Infos zum Wettbewerb finden Sie hier.

Ungläubiges Staunen. Deshalb noch mal die Frage: "Wie alt sind Sie?" "80", wiederholt Herbert Kubatz.

Dieser Mann bildet zusammen mit Andreas Nitze (54) das Führungsduo von Berliner Glas mit seinen knapp 200 Millionen Euro Umsatz und rund 1500 Beschäftigten. Kubatz ist der Firmeninhaber und Nitze der CEO.

Glas und Stahl
Berliner Pflanzen
Herbert Kubatz (80) leitet seit 1965 das von ­­seinem Vater gegründete Unternehmen Berliner Glas KGaA. Zuvor promovierte er an der TU Berlin im Fach Betriebswirtschaftslehre.
Andreas Nitze (54), der in St. Gallen studiert hat, fing 1991 bei Berliner Glas als Assistent der Geschäftsführung an. Heute ist er CEO des Unternehmens für Präzisionsoptik. Berliner Glas erzielte 2017 mit rund 1500 Beschäftigten einen Umsatz von 193 Millionen Euro.
Schwarzwälder Buben
Hans Fischer (74) machte sich 1969 mit der Produktion von Edelstahlrohren selbstständig. Seine Söhne Hans-Peter (47) und Roland (40) kamen schon in jungen Jahren in die elterliche Firma, die heute als Fischer Group SE & Co. KG firmiert.
Der Großteil des Umsatzes von 738 Millionen Euro (2017) wird mit der Auto­industrie erzielt. Insgesamt beschäftigt das ­Unternehmen derzeit rund 2600 Beschäftigte, davon 800 in Achern.

Berliner Glas - das klingt bieder. Man denkt an Fensterscheiben oder Trinkgläser. Doch was hier im Süden Berlins produziert wird, ist Hightech vom Feinsten und vom Kleinsten. "Wir arbeiten im Nano- und Subnanobereich", sagt Kubatz. Verschiedene Glassorten - rund 200 gibt es davon - werden zu Linsen, Prismen und Planflächen verarbeitet. Präzisionsoptik heißt das in der Fachsprache.

Die Abnehmer dieser filigranen Glasteilchen sind fast alle in Hightechindustrien unterwegs: Halbleiter, Raumfahrt, Laser-, Mess- und Medizintechnik. In der Sprache der Autobranche wäre Berliner Glas ein Tier2-Zulieferer.

Aber Berliner Glas stellt nicht nur Komponenten her, sondern inzwischen ganze Systeme wie Objektive oder Messgeräte. Ein Beispiel: Häufig werden Zahnabdrücke mit einer unappetitlichen Kaumasse genommen. Stattdessen kann der Arzt die Zähne aber auch mit einer dreidimensionalen Messkamera scannen. Nicht nur die Linsen, die gesamte Kamera wird von Berliner Glas hergestellt.

Berliner Glas investiert viel, um technologisch vorn dabei zu sein; die F+E-Quote beträgt rund 11 Prozent vom Umsatz. Etwa 160 Beschäftigte arbeiten in der Forschung.

Personal, nicht Kapital ist der Engpass, den das prosperierende Unternehmen überwinden muss. Die Eigenkapitalquote liegt bei rund 70 Prozent, unter 50 Prozent soll sie nicht fallen, sagt der Senior.

Seine Nachfolge hat Herbert Kubatz bisher nicht geregelt. Seine beiden Töchter sitzen im Aufsichtsrat der KGaA, waren aber nie operativ tätig. "Vielleicht kommt mal einer der vielen Enkel ins Unternehmen", hofft Kubatz.

Aber noch ist der Senior verdammt fit. Hat er denn ein Geheimnis? "Ich laufe jeden Morgen mit meinem Hund ein paar Kilometer am Schlachtensee entlang."

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