20.04.2018  Robotertechnik auf See jetzt schon marktreif

Vor selbst fahrenden Autos kommen selbst fahrende Boote

Von
PR / Rolls Royce

Nie wieder Costa Concordia. Das war die Motivation von Michael Johnson, um die Firma Sea Machines zu gründen. Ein Jahr lang hatte der Schiffbauingenieur an der Bergung des 2012 vor Italien gekenterten Kreuzfahrtschiffs gearbeitet. Willkür und Übermut des Kapitäns hatten einen Navigationsfehler ermöglicht, der 32 Passagiere das Leben kostete, mehr als 4000 in Seenot brachte und einen Milliardenschaden verursachte.

"Es sollte nicht möglich sein, solche Schiffe manuell auf die Felsen zu steuern", zitiert das Magazin "Vice" auf seinem Portal "Motherboard" den Unternehmer. Seine Antwort: Die Wasserfahrzeuge, ohnehin schon mit allerlei Navigationsgeräten ausgerüstet, sollen autonom fahren. In diesem Sommer wolle die 2014 gegründete Firma aus dem US-Staat Massachusetts ein erstes Steuerungssystem für Versorgungsschiffe auf den Markt bringen. In Tests habe sich die Technik bereits bewährt.

Dem Artikel zufolge wird sich das autonome Fahren zuerst auf See durchsetzen - lange, bevor sich die mit Milliardenaufwand betriebenen Investitionen in Roboterautos auszahlen. Zu viele Probleme sind auf der Straße noch zu lösen, nicht zuletzt das der gesellschaftlichen Akzeptanz. Auch wenn die Maschinen unterm Strich sicherer steuern als Menschen, müssen sie gegen noch höhere Ansprüche bestehen.

Zu Wasser hingegen ist das Vertrauen in Instrumente - oder die Einsicht in die Grenzen des menschlichen Überblicks - schon stärker ausgeprägt. Außerdem sind die großen Frachter, die den Großteil des Welthandels bewegen, ohnehin nur noch mit sehr kleinen Mannschaften unterwegs.

"Motherboard" nennt mehrere US-Startups, die bis zum Jahr 2020 den kommerziellen Betrieb von Robotertechnik in Wasserfahrzeugen anpeilen. "Buffalo Automation" will Frachter und Freizeitboote untereinander vernetzen - und so verhindern, dass sich die Fahrzeuge gleichzeitig in enge Schleusen oder Kanäle begeben. Die Firma Autonomous Marine Systems hat bereit kleine Segeldrohnen im Einsatz, die vor allem Offshore-Anlagen mit Meeresdaten versorgen.

Auch große Konzerne wie die Reederei Mærsk oder der Motorenbauer Rolls-Royce erhoffen sich viel von der Automatisierung der Seefahrt. Der norwegische Düngemittelkonzern Yara lässt einen elektrisch angetriebenen Roboterfrachter bauen, der zwischen einem Produktionswerk und einem Exporthafen pendeln und so tausende Lkw-Fahrten ersetzen soll. Noch in diesem Jahr soll der Betrieb beginnen - vorerst bemannt, spätestens 2020 aber vollautomatisch.

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