20.03.2018 
Rekord-Fintech-Investment

Allianz setzt auf N26 - und stößt Banken vor den Kopf

Von
Allianz-Zentrale in München
DPA
Allianz-Zentrale in München

Der Allianz-Konzern galt jahrzehntelang als einer der Stützpfeiler der sogenannten Deutschland-AG, doch mit diesem Schritt wendet sich Europas größter Versicherer ein Stück weit von den etablierten Großunternehmen hierzulande ab, und zwar insbesondere von den Banken: Über seine Investmenttochter Allianz X beteiligt sich der Konzern führend an einer umfangreichen Finanzierungsrunde der Berliner Smartphone-Bank N26.

Bei N26 handelt es sich um eines von vielen Start-ups aus der vielfältigen deutschen Fintech-Szene. Bemerkenswert scheint jedoch: Anders als der größte Teil der Konkurrenz setzen die Berliner nicht auf Kooperation mit dem traditionellen Bankensektor, sondern auf Konfrontation.

Das Unternehmen hatte zum Marktstart noch die Lizenz und Dienstleistungen der Wirecard Bank AG in Anspruch genommen. Im Juli 2016 erhielt N26 dann eine eigene Banklizenz. Und nun weiß das Start-up in seinem Kampf gegen Deutschlands traditionelle Geldhäuser also die Allianz an seiner Seite.

Die Münchener haben sich in durchaus nennenswertem Umfang beteiligt: Die aktuelle Finanzierungsrunde von N26 hat Mitteilungen der beteiligten Unternehmen zufolge ein Gesamtvolumen von 160 Millionen Dollar (130 Millionen Euro). Laut N26 ist dies die bisher größte Eigenkapital-Finanzierung im deutschen Fintech-Sektor abseits von Börsengängen.

Laut eigenen Information fungiert Allianz X dabei gemeinsam mit der chinesischen Tencent Holdings als Co-Leader der Finanzierung. Damit ist klar, dass es sich für den Versicherer um ein Investment im hohen Millionenbereich handeln dürfte. Die genaue Summe, die die Allianz in N26 steckt, wollte eine Allianz-X-Sprecherin allerdings auch auf Nachfrage nicht nennen.

Zum Vergleich: Erst vor wenigen Wochen hatte Allianz X bereits ein anderes Fintech-Investment bekanntgegeben, das allerdings offenbar etwas kleiner ausfiel. An C2FO, einem Dienstleister, der Einkäufer und Lieferanten von Waren und Dienstleistungen mit Finanzierungsbedarf für Working-Capital zusammenbringt, beteiligte sich der Versicherer mit 30 Millionen Dollar. Ende 2017 hatte Allianz X zudem 97 Millionen Dollar in BIMA gesteckt, einen Mikroversicherer für Schwellenländer in Afrika, Lateinamerika und Asien.

N26 hat mitsamt der aktuellen Finanzierung bis heute 215 Millionen Dollar von Investoren erhalten. Wie das "Handelsblatt" berichtet haben sich an der jüngsten Runde auch die bisherigen Investoren erneut beteiligt. Zu ihnen zählen demnach unter anderem der chinesische Milliardär Li Ka-Shing, der US-Investor Peter Thiel und Mitglieder des Zalando-Managements.

Die Bank habe seit dem Start im Januar 2015 mehr als 850.000 Kunden gewonnen, teilt sie mit. Bis Ende 2020 will das Start-up fünf Millionen Nutzer haben. N26 hat bis heute eigenen Angaben zufolge rund neun Milliarden Euro an Transaktionsvolumen abgewickelt und prognostiziert ein Transaktionsvolumen von mehr als 13 Milliarden Euro allein in diesem Jahr, so die Mitteilung weiter.

Eigenen Angaben zufolge befindet sich das Unternehmen also geschäftlich auf einem guten Weg. Beim Start im Jahr 2015 habe man mit den Kunden noch Verlust gemacht, weil Gebühren an die Partnerbank gezahlt werden mussten, räumt N26-Mitgründer Valentin Stalf ein. Durch die eigene Banklizenz könne N26 inzwischen auch eigene IT-Systeme betreiben. "Wir haben damit deutlich geringere Kosten als traditionelle Banken."

Stalf sagte jüngst der Deutschen Presse-Agentur, N26 verfüge inzwischen über ein "profitables Kundenportfolio": "Heute verdienen wir mit jedem Kunden Geld."

Christoph Rottwilm auf Twitter

Europas größter Versicherer Allianz jedenfalls ist von N26 offenbar überzeugt. Das Unternehmen sei klarer "Vorreiter im Mobile Banking", wie der Digitalchef des Konzerns, Solmaz Altin, sagte. "Wir sehen viele Verknüpfungspunkte für ein Zusammengehen zwischen N26 und der Allianz-Gruppe", erklärte Nazim Cetin, Chef der digitalen Investmenteinheit Allianz X.

Mit Material von dpa

Mehr zum Thema