29.11.2017  Airbus prescht bei neuer Technologie vor

Elektro-Flieger mit 90 Sitzen soll schon 2020 abheben

Von Nils-Viktor Sorge
Airbus

Airbus erhöht das Tempo bei der Entwicklung neuer Flugzeugantriebe. Zusammen mit Siemens und dem Triebwerkshersteller Rolls-Royce will der Luftfahrt-Konzern einen hybrid-elektrischen Flugzeugantrieb bauen. Ein Verkehrsflugzeug mit einem Elektromotor und drei herkömmlichen Düsentriebwerken solle 2020 zum ersten Testflug starten, kündigten die drei Unternehmen am Dienstag in London an.

Bereits zwischen 2025 und 2030 später soll dann ein kommerzieller Jet starten, teilte eine Airbus-Sprecherin gegenüber manager-magazin.de mit. Damit verlegt Airbus den Starpunkt weiter nach vorn. Bisher war von 2030 die Rede, vor drei Jahren war auch von 2035 die Rede.

Siemens wird einen Elektromotor mit zwei Megawatt Leistung - also der halben Leistung eines herkömmlichen Antriebs - in München bauen. Rolls-Royce liefert eine Gasturbine, die im Rumpf des Flugzeugs eingebaut ist und den Strom für den Elektromotor erzeugt. Zwischengespeichert wird er in einer Batterie im vorderen Teil der Maschine. Der Flugzeugbauer Airbus will die Systeme integrieren.

Wie viel Energie die Antriebskombination im Vergleich zu einem herkömmlichen Regionaljet spart, vermochte Airbus noch nicht abzuschätzen. "Zunächst ist es unser Ziel, die Technologie zu testen und vorzuführen", so die Unternehmenssprecherin.

"Der E-Fan X ist ein wichtiger Schritt, um elektrisches Fliegen in absehbarer Zukunft zu verwirklichen", sagte Airbus-Technikchef Paul Eremenko. Das Flugzeug - eine British Aerospace BAe 146 mit rund 100 Sitzen aus den 1980er-Jahren - soll 2020 voraussichtlich in Toulouse zum ersten Mal abheben. Wenn alles funktioniert, sollen später weitere Tests mit zwei hybrid-elektrischen und zwei herkömmlichen Antrieben folgen.

Der nun angekündigte mittelgroße Hybridflieger steht für einen Strategie-Schwenk bei Airbus. Über Jahre hatte der Konzern rein elektrische Kleinflugzeuge als zentrale Meilensteine für die Elektrifizierung seiner Jets betrachtet.

Ein zweisitziger E-Fan sollte eigentlich in diesem Jahr in Serie gehen, doch das Topmanagement stoppte den Plan. Als Kunden wären unter anderem Flugschulen infrage gekommen. Im Jahr 2019 sollte ein viersitziger Batterieflieger mit Kerosin-Reichweitenverlängerer kommen.

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Siemens und Airbus arbeiten in Ottobrunn bei München bereits seit April 2016 an einem Elektroantrieb für kleinere Flugzeuge, sogenannte "Lufttaxis" - bisher allerdings nur am Boden. Im Oktober hatte ein Start-up-Unternehmen aus Seattle bereits ein kleines Zubringerflugzeug mit einem Elektro-Hybridmotor für das Jahr 2022 angekündigt. Das Projekt wird von Boeing und JetBlue Airways mit Risikokapital unterstützt.

mit dpa-afx und rtr

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