24.10.2017 
Ex-Siemens-Chef leitet 500-Mrd.-Dollar-Projekt "Neom"

"Vielleicht mehr Roboter als Menschen": Kleinfeld baut Mega-Stadt der Saudis

Von
REUTERS

Saudi-Arabiens Königsfamilie legt ein Kernstück ihrer Modernisierungsstrategie in deutsche Hände. Klaus Kleinfeld werde CEO des groß angelegten Wirtschafts-Projekts Neom, wie Kronprinz Mohammed bin Salman bin Abdulaziz Al Saud am Dienstag bekannt gab. Mit Neom will das Königreich auf einer Fläche von 26.500 Quadratkilometern den modernsten Technologiepark der Welt und eine komplett neue Stadt schaffen. Zum Vergleich: Mecklenburg-Vorpommern kommt von den Bundesländern mit gut 23 000 Quadratkilometern der geplanten Größe Neoms am nächsten.

Kleinfeld solle helfen, "eine der künftigen Hauptstädte für Wirtschaft und Wissenschaft, den lebenswertesten Ort der Welt und das künftige Handels-Zentrum Saudi-Arabiens" zu schaffen, so der Kronprinz. Dafür seien Investitionen in Höhe von bis zu 500 Milliarden US-Dollar vorgesehen, für die Saudi-Arabien garantiere, so der Kronprinz. Ein Großteil des Geldes soll vom saudischen Staatsfonds PIF (Public Investment Fund) kommen. Es sei im Nordwesten des Landes bereits eine Fläche am Roten Meer ausgewählt, die sich auch auf Ägypten und Jordanien erstrecke. In Neom sollen laut dem Thronfolger eigene Gesetze und Steuersätze gelten, auch eine eigene Werbe-Website gibt es bereits.

Das Projekt ist Teil einer Modernisierungsoffensive der Königsfamilie, mit der sie Wirtschaft und Gesellschaft unabhängiger von den Einnahmen der Ölförderung machen will. DieEmirate am Golf wie Katar oder Dubai hatten in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls Großprojekte - wenn auch in deutlich kleineren Dimensionen - außerhalb der Öl- und Gaswirtschaft gestartet und waren damit zum Teil gescheitert, wie etwa im Fall der Öko-Stadt Masdar.

Der vor 59 Jahren in Bremen geborene Kleinfeld war bis vor wenigen Monaten CEO und Chairman des amerikanischen Aluminium-Veredlers Alcoa und Arconic, zuvor war er Vorstandschef des Dax-Konzerns Siemens. Für beide Aufgaben hat er enge Regierungskontakte aufbauen und pflegen müssen, da Staaten und öffentliche Institutionen jeweils zu seinen wichtigsten Kunden zählten. "Neom ist eine einzigartige Gelegenheit, höchsten Lebensstandard mit exzellenten wirtschaftlichen Aussichten zu verbinden. Ich bin geehrt und begeistert, diese Führungsrolle zu übernehmen", lässt sich Kleinfeld zitieren.

Für sein Projekt "Neom" formuliert Kronprinz Mohammed zum Teil radikale Vorgaben. Alle Dienstleistungen und Standard-Prozesse sollten "zu 100 Prozent automatisiert" sein und "von Robotern ausgeführt" werden. Dies könne dazu führen, dass in der Zukunftsstadt "die Zahl der Roboter die der Menschen übersteige", was "Neom" wiederum zu dem Ort mit dem "wahrscheinlich höchsten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf" machen werde. Die klimatischen Bedingungen in der ausgewählten Region sollen dazu führen, dass "Neom" seinen Energiebedarf ausschließlich aus Wind- und Sonnenkraft speise.

Mehr zum Thema