12.10.2017  Nach Air-Berlin-Übernahme

"Lufthansa wird auf Monopolgewinne nicht verzichten"

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Schließt steigende Ticketpreise nach der Air-Berlin-Übernahme explizit nicht aus: Lufthansa-Chef Carsten Spohr
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Schließt steigende Ticketpreise nach der Air-Berlin-Übernahme explizit nicht aus: Lufthansa-Chef Carsten Spohr

2. Teil: Kartellrechtler: Lufthansa wird auf Monopolgewinne nicht verzichten

Spohr dementiert angebliche Bevorzugung

Spohr widersprach in dem Interview (kostenpflichtig) der angeblichen Bevorzugung in dem Verfahren entschieden und wiederholte, dass sich der Konzern schon lange zuvor intensiv auf einen möglichen Marktaustritt der Air Berlin vorbereitet und frühzeitig Gespräche geführt habe."Auf diesen Gedanken hätte aber auch jeder andere Wettbewerber nach einem Blick in die öffentlich zugänglichen Bilanzen kommen können", sagt Spohr.

Die Lufthansa werde jetzt mindestens 1,5 Milliarden Euro in ihre Billigtochter Eurowings investieren und 3000 zusätzliche Stellen schaffen, so Spohr. Dass diese ausschließlich mit Beschäftigten der insolventen Air Berlin besetzt werden, sagte Spohr allerdings nicht. Bei Air Berlin stehen mit der Insolvenz jetzt 8000 Arbeitsplätze zur Disposition. Die Verhandlungen über einen Sozialplan haben bereits begonnen.

Lufthansa-Chef schließt steigende Preise nicht aus

Spohr erwartet im innereuropäischen Flugverkehr wegen des scharfen Wettbewerbs tendenziell sinkende Ticketpreise. Im innerdeutschen Flugbetrieb und auf anderen Einzelstrecken hingegen schließt der Manager steigende Ticketpreise dagegen explizit nicht aus: "In unserer Branche sind die Preise wie in keiner anderen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken", sagte er. Teilweise seien sie so niedrig, dass Airlines hätten nicht mehr überleben können. Das hätten die Fälle Air Berlin und die Pleite der britischen Airline Monarch zuletzt deutlich gezeigt, sagte Spohr dem "Handelsblatt".

Kartellrechtler: Lufthansa wird auf Monopolgewinne nicht verzichten

Steigende Preise auf bestimmten Strecken erwartet auch der Kartellrechtsexperte und ehemalige Chef der Monopolkommission, Daniel Zimmer. Allerdings begründet er sie anders als Spohr: Die Lufthansa werde mit ihrer stark expandierenden Tochter Eurowings nicht auf Monopolgewinne verzichten, sagte der Experte. Lufthansa-Chef Spohr rede die Wettbewerbsprobleme klein, wenn er sage, dass man sich nach der Übernahme von Air Berlin auf einzelnen Strecken intern Konkurrenz machen werde. "Wenn zwei Gesellschaften demnächst höhere Ticketpreise auf bestimmten Strecken setzen können, wird der Vorstand dies anordnen", zeigte sich Zimmer fest überzeugt.

mit dpa

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