10.10.2017  Neuer Wagniskapitalfonds aus Berlin

Google-Vorstand Schindler investiert Millionen in Start-ups

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Google-Vorstand Philipp Schindler: Geld für Start-ups
DPA
Google-Vorstand Philipp Schindler: Geld für Start-ups

Die deutsche Wagniskapitalszene ist um einen prominenten Kopf reicher: Google-Vorstand Philipp Schindler (46) hat zusammen mit dem Hedgefondsmanager Roman Rosslenbroich (44; Aquila Capital) und weiteren Partnern einen neuen Start-up-Fonds aufgelegt. Das berichtet das manager magazin in seiner Sonderausgabe mit der Liste der 1001 reichsten Deutschen.

Der Fonds mit dem Namen "June Fund" sitzt in Berlin und investiert in Start-ups, die sich meist auf Geschäftskunden konzentrieren. Zu den thematischen Schwerpunkten gehören etwa offene Cloud-Software oder Infrastrukturtechnologie. Der Fonds ist noch nicht geschlossen, erste Investments, wie in die Münchener Start-ups "SimScale" (cloudbasierte Simulationssoftware für Ingenieure) oder "CRX Markets" (Marktplatz für Supply-Chain-Finanzierung) wurden aber bereits getätigt. Zum Volumen wollen sich die Initiatoren nicht konkret äußern. Es gehe "mindestens um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag", den man unter Umständen erweitere, heißt es.

Schindler, der bei Google als Chief Business Officer für das globale Werbegeschäft zuständig ist, gilt als einer der einflussreichsten Deutschen im Silicon Valley. Zum June-Team gehören sein Bruder Florian (45) sowie der ehemalige Earlybird-Manager David Rosskamp (32), die beide in Berlin für das Tagesgeschäft zuständig sind. Alle vier Partner sind persönlich investiert, zu weiteren Geldgebern wollen sie sich nicht äußern.

Der Fokus auf Start-ups abseits des E-Commerce ist für deutsche Verhältnisse eher ungewöhnlich. Das June-Team will sich dabei bewusst von verbreiteten Investitionsmodellen abgrenzen, die auf künstlich erzeugtes Wachstum oder kopierte Geschäftsmodelle setzen.

"Wir investieren in substantielle und gewissermaßen radikale Unternehmen, die Plattformen der Zukunft", sagt David Rosskamp. June suche "intrinsisch motivierte Profis und keine Söldner."

Die Schindler-Brüder und Rosslenbroich kennen sich seit ihrer gemeinsamen Schulzeit in Düsseldorf. Vor dem June Fund hatten sie bereits einen kleineren Fonds in Luxemburg aufgelegt, der in der Öffentlichkeit jedoch kaum Beachtung fand. Die Unternehmen Google oder die Muttergesellschaft Alphabet sind bei beiden Fonds nicht involviert.

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