09.10.2017  Betriebsrat erwartet Massenkündigungen

Air Berlin stellt eigenen Flugbetrieb wohl im Oktober ein

  "Alle Mitarbeiter werden gekündigt!!!":  Der Betriebsrat von Air Berlin schlägt Alarm. Die Beschäftigten der insolventen Fluggesellschaft müssen nun zu Tausenden um ihren Job fürchten
imago/Gerhard Leber
"Alle Mitarbeiter werden gekündigt!!!": Der Betriebsrat von Air Berlin schlägt Alarm. Die Beschäftigten der insolventen Fluggesellschaft müssen nun zu Tausenden um ihren Job fürchten

Bei der insolventen Air Berlin spitzt sich die Lage für die 8000 Beschäftigten zu. Der eigene Flugbetrieb läuft nur noch bis Ende Oktober, und die Verhandlungen mit Easyjet stehen wegen eines Interessenkonflikts mit der Lufthansa offenbar vor dem Aus. Das Management hat es mit einem Sozialplan auf einmal sehr eilig. Der Betriebsrat erwartet Massenentlassungen.

Air Berlin kann aus eigenen Mitteln den Flugbetrieb nur noch bis Monatsende aufrechterhalten. "Ein eigenwirtschaftlicher Flugverkehr im eröffneten Insolvenzverfahren ist nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich", teilte das Unternehmen am Montag mit. Nach einem Verkauf von Konzernteilen könne in der Zeit bis zur kartellrechtlichen Genehmigung der Flugbetrieb aber im Rahmen von Leasingvereinbarungen fortgesetzt werden.

Ganz außen vor sind Niki und LGW, die beide nicht insolvent sind. Sie können weiterarbeiten. An der österreichischen Konzern-Tochter Niki und der Regional-Tochter LGW ist die Lufthansa interessiert.

Damit bestätigte Air Berlin weitgehend Informationen des Betriebsrats. Air Berlin ist seit Mitte August pleite. Der Konzern verhandelt noch bis zum 12. Oktober mit Lufthansa und dem britischen Billigflieger Easyjet exklusiv über den Kauf von Teilen der Fluggesellschaft. Nach Abschluss der Kaufverträge müsse Air Berlin aus insolvenzrechtlichen Vorgaben "die eigene Geschäftstätigkeit Zug um Zug beenden".

Mit den Arbeitnehmervertretern seien am Montag Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialpläne begonnen worden. Zudem sollen in dieser Woche Job-Messen am Air-Berlin-Sitz in Berlin mit potenziellen künftige Arbeitgebern, darunter der Chemiekonzern BASF und die Deutsche Bahn, abgehalten werden.

"Fortführung des Geschäftsbetriebs unzulässig"

Trotz des 150 Millionen Euro schweren Staatskredits steht die insolvente Air Berlin offenbar unter enormen Druck, Maschinen und Personal möglichst schnell auf neue Eigentümer zu verteilen. Denn es sei "eine Fortführung des Geschäftsbetriebs aufgrund der hohen Verluste, die derzeit und prognostiziert dauerhaft entstehen, unmöglich und unzulässig", heißt es in einer internen Mitteilung der Personalabteilung und des Generalbevollmächtigten Frank Kebekus vom 5. Oktober.

Die bisher zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft mit mehr als 8000 Beschäftigten hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Vorerst geht der Flugbetrieb weiter, weil der Bund mit einem Kredit einsprang. Kebekus und Vorstandschef Thomas Winkelmann verhandeln mit der Lufthansa und mit Easyjet über den Verkauf, das Geschäft soll bis zum 12. Oktober unter Dach und Fach gebracht werden.

Verhandlungen mit Easyjet steht vor dem Aus

Allerdings drohen die Verhandlungen mit Easyjet über den Kauf von bis zu 30 Flugzeugen zu scheitern, berichtet die "B.Z.". Die Briten hätten ihr ursprüngliches Angebot von rund 50 Millionen Euro reduziert. Wohl auch, weil es Streit um Landerechte in Düsseldorf und Berlin-Tegel mit der für andere Air-Berlin-Teile bietenden Lufthansa gebe.

Bei Air Berlin glaube man inzwischen nicht mehr daran, wie geplant am 12. Oktober unterschriftsreife Verträge mit Easyjet zu haben, heißt es in dem Bericht. Sollten die Gespräche mit Easyjet tatsächlich platzen, müssten Insidern zufolge schnell neue Verhandlungen mit anderen Interessenten aufgenommen werden, denn der insolventen Air Berlin droht das Geld für den Flugbetrieb auszugehen. Mit der Lufthansa stehe man dagegen kurz vor einem Vertragsabschluss, berichtete die Zeitung.

Betriebsrat: "Alle Mitarbeiter werden gekündigt!!!"

Die Geschäftsleitung von Air Berlin selbst betont, man setze sich bei den Bietern für möglichst gute Chancen für die Mitarbeiter ein. "Aber nicht jeder Airberliner wird dort unterkommen können", heißt es.

Der Betriebsrat stellt sich bereits auf Massenentlassungen ein, wie aus einer Mitarbeiterinformation des Betriebsrats Nord hervorgeht. In dem internen Papier heißt es: "Alle Mitarbeiter werden gekündigt!!!" Ziel sei es, die nötigen Verhandlungen noch im Oktober "final abzuschließen". Ein Sprecher der Airline wollte sich dazu nicht äußern.

rei mit Nachrichtenagenturen

Mehr zum Thema