12.10.2017  eSport wird Volkssport

Warum Gaming-Turniere ein gutes Investment für Unternehmen sind

Eine Meinungsmache von Sascha L. Schmidt
Geht ab: Frankreich-Fans in einer Arena in Paris beim Finale des Video-Spiels "League of Legends".
AFP
Geht ab: Frankreich-Fans in einer Arena in Paris beim Finale des Video-Spiels "League of Legends".

2. Teil: Die Generation esportet

Zunächst einmal kann der eSport helfen, Millennials und Kinder der sogenannten Generation Z, zu erreichen. Denn sie gehören zu den Hauptkonsumenten von eSport. Zugang zu dieser Zielgruppe zu bekommen, ist Voraussetzung, um die Markenbekanntheit zu erhöhen und sein Image zu verbessern. Allerdings zählt die gezielte Ansprache von jungen Leuten seit Jahren zu den größten Herausforderungen vieler Unternehmen.

Insbesondere Anbieter von wenig emotionalen Produkten und Dienstleistungen wie Versicherungen oder Bausparkassen tun sich hierbei schwer. Schließlich weisen gerade die 14- bis 25-Jährigen ein vollkommen anderes Mediennutzungsverhalten als ihre Vorgänger auf. Sie sind sogenannte "digital natives" und über klassische Kanäle wie TV-Werbung oder Print kaum noch zu erreichen. eSport bietet Unternehmen nun neue Chance, diese Zielgruppe zu erreichen.

So ist Finanzdienstleister Wüstenrot Anfang des Jahres mit dem Sponsoring der "ESL-Frühlingsmeisterschaft", dem größten deutschen eSport-Turnier, ins kalte Wasser gesprungen. Es hat sich offensichtlich gelohnt: Innerhalb von nur neun Wochen stieg die spontane Bekanntheit in der jungen Zielgruppe um zwölf Prozentpunkte an, die Markensympathie des Bausparers wuchs um mehr als sechs Prozent. Ähnliche Ziele dürfte die AOK mit ihrem Engagement beim FC Schalke 04 im Sinn gehabt haben. Der Krankenversicherer verlängerte sein Sponsoring beim Bundesligisten im Mai vorzeitig bis 2020 und sicherte sich nicht nur umfangreiche Werberechte im eSport-Bereich, sondern wird in Zukunft auch integraler Bestandteil der eSport Social-Media-Aktivitäten der Königsblauen.

Treiber für Digitalisierung

Neben dem Zugang zu jungen Menschen kann der eSport bei der digitalen Transformation helfen, wenn er strategisch ins Geschäftsportfolio passt. Denn wer ein eSport-Geschäft aufbaut, muss sich zwangsläufig mit neuen Technologien, mit veränderten Konsumentenprofilen sowie mit neuen Kommunikationskanälen und -formaten auseinandersetzen. Dies führt automatisch auch zu einem Umdenken und Hinterfragen von bestehenden Strukturen und Prozessen. Der Einstieg in den eSport durch Kauf oder Aufbau eines wettbewerbsfähigen Profiteams liegt natürlich für Unternehmen der Sportbusiness-Branche besonders nah.

So verwundert es nicht, dass mit Schalke 04, dem VfL Wolfsburg, dem VfB Stuttgart, RB Leipzig und dem VfL Bochum mittlerweile fünf Fußball-Bundesligisten eigene eSport-Einheiten gegründet haben. In den Fußballsimulationsspielen Fifa oder Pro Evolution Soccer lassen sie ihre eSport-Profis in Vereinsfarben gegen europäische Top-Vereine wie Ajax Amsterdam, Manchester City oder Paris Saint-Germain antreten. Dafür müssen eigene Spieler und Teams trainiert, betreut und vermarktet werden.

Zudem bietet die Integration einer eSport-Einheit in eine bestehende Organisation die Chance, die Digitalisierung des gesamten Unternehmens voranzutreiben. Denn Schnittstellen müssen durchdacht sowie alte und neue Wertschöpfungsprozesse miteinander verknüpft werden. Natürlich gilt dies nicht nur für Fußballklubs, sondern ist auch auf Unternehmen außerhalb des Sport-Business übertragbar. Schließlich kann eSport bei der Internationalisierung helfen, wenn es darum geht, neue Zielgruppen im Ausland zu erreichen. Red Bull hat dies bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

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