18.09.2017  Ryanair-Chef streicht tausende Flüge

Der lustige Ire landet hart

Ein Kommentar von
Ryanair-Chef Michael O'Leary
REUTERS
Ryanair-Chef Michael O'Leary

Ryanair-Chef Michael O'Leary lässt kaum eine Gelegenheit aus, sich als begnadeter Geschäftsmann und Überflieger der Luftfahrtbranche zu inszenieren. Für die Wettbewerber hat er nicht selten Witz und Spott übrig.

Laufen Entwicklungen seinen Interessen zuwider, kann O'Leary aber auch brachial-verbal austeilen und schreckt dabei vor Verschwörungstheorien nicht zurück: Vermutet der angriffslustige Ire doch im Fall der Insolvenz von Air Berlin einen Komplott zwischen Bundesregierung, Lufthansa und der Pleite-Airline, um einen "nationalen Champion" zu schmieden und Wettbewerber wie Ryanair auszubooten.

Der Verdrängungswettbewerb am Himmel ist gnadenlos, wie jetzt auch der Fall Air Berlin zeigt. Und dass Ryanair Ende vergangenen Jahres die Lufthansa erstmals als größte Fluggesellschaft in Europa überflügelte, verdankte die Fluglinie eben auch ihrem aggressiven Auftreten. Umso mehr dürften die Wettbewerber jetzt feixen, weil der Billigangreifer offensichtlich ein Problem hat:

Bis zu 2100 Flüge muss Spaßvogel O'Leary in den kommenden sechs Wochen streichen, um die Pünktlichkeitsquote seiner Flieger wieder auf ein akzeptables Niveau von mehr als 80 Prozent zu heben. Dafür streicht der Überflieger kurzerhand massenhaft Flüge, damit dann freie Maschinen notfalls einspringen können, wenn's mal wieder kneift. Das ordnete O'Leary offensichtlich an, ohne die Passagiere zuvor zu informieren, wie hochgradig genervte Fluggäste sich twitternd bei Ryanair beschwerten.

Der Preis für einen gnadenlosen Verdrängungswettbewerb

Streikende Fluglotsen, das Wetter, mangelnde Urlaubsplanung bei Piloten - O'Leary bemühte in seinem verbalen Entschuldigungskotau am Montag gleich eine ganze Reihe von Gründen. Spekulationen darüber, dass Ryanair auf Kosten der Belegschaft zu schnell und zu aggressiv wächst, so dass jetzt Piloten zur Konkurrenz überlaufen und Ryanair auch deshalb Flüge streichen muss, wies der Manager zurück.

Doch Tatsache ist, Ryanair setzt gnadenlos auf Wachstum, bietet europaweit neue Verbindungen an, will seine Passagierzahl im laufenden Geschäftsjahr auf 130 Millionen steigern - bei fallenden Ticketpreisen wohlgemerkt, wie O'Leary noch Anfang Juni ankündigte. Dass dies auch auf Kosten des Personals geht, ist sehr wahrscheinlich.

Dem Kunden selbst dürfte es gleich sein, aus welchen Gründen sein Flieger nicht startet, er den Termin verpasst oder verspätet in den Urlaub abhebt. Er wird gegebenenfalls Entschädigung einfordern. Der Ruf von Ryanair wird unter den massenhaften Flugausfällen leiden, wie O'Leary am Montag selbst einräumte.

Von einer Bruchlandung kann aber keine Rede sein, dafür ist das Gedächtnis der meisten Verbraucher zu kurz. Der lustige Ire ist jetzt hart gelandet, zahlt jetzt erstmals einen - wenn auch vergleichsweise überschaubaren - Preis für seinen gnadenlosen Verdrängungswettbewerb.

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