13.09.2017  Ein streitbarer Investor und 22.000 Stahlarbeiter

Der Fünfer-Kampf um die Zukunft von ThyssenKrupp

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An diesen fünf hängt die Zukunft von ThyssenKrupp.
Fotos: DPA
An diesen fünf hängt die Zukunft von ThyssenKrupp.

5. Teil: Betriebsratschef Wilhelm Segerath - der Vertreter der Thyssen-Stahlarbeiter hat Angst um 22.000 Jobs

ThyssenKrupp-Betriebsratschef Segerath: Will die Jobs von Tausenden Stahlarbeitern sichern - und die Mitbestimmung im Unternehmen.
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ThyssenKrupp-Betriebsratschef Segerath: Will die Jobs von Tausenden Stahlarbeitern sichern - und die Mitbestimmung im Unternehmen.

Von der Arbeitnehmerseite bekommt ThyssenKrupp-Chef Hiesinger viel Gegenwind auf seinem Kurs zur Verschmelzung der Stahlsparte des Konzerns mit Tata Steel. Der Grund: Die Beschäftigten - rund 22.000 arbeiten noch in den Thyssen-Stahlwerken in Duisburg und Bochum - fürchten um ihre Jobs und um die bislang bestehenden Möglichkeiten zur Mitbestimmung.

Eine Fusion mit Tata sei keine Lösung, sagt etwa Wilhelm Segerath, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats. Sie diene nur dazu, Schulden außerhalb der Bilanz abzukippen. "Das machen wir nicht mit." Es gehe um "nicht mehr und nicht weniger als um die Wurzel des Unternehmens und den Erhalt aller Standorte im Konzern", so Segerath. Auch Stahlbetriebsratschef Günter Back warnt Hiesinger: Sollte Stahl aufs Abstellgleis gestellt werden, sei der Konzernchef "nicht mehr unser Mann".

Die IG Metall hat zudem für den 22. September, unmittelbar vor der Bundestagswahl also, bereits Proteste in Bochum angekündigt. Die Gewerkschaft favorisiert für den Stahlbereich von ThyssenKrupp Berichten zufolge eine andere Lösung - und hofft dabei auch auf die Unterstützung der Politik. Die Idee: Die Gründung einer "Deutschen Stahl AG", bei der Thyssens Stahlsparte mit der Unternehmensgruppe Georgsmarienhütte sowie womöglich weiteren Branchenfirmen zusammengeführt werden könnte. Als Macher an der Spitze eines solchen bislang offenbar noch sehr hypothetischen Projekts wurde dem "Handelsblatt" zufolge bereits Georgsmarienhütte-Inhaber und Ex-RWE-Chef Jürgen Großmann ausgeguckt, der solche Überlegungen allerdings dementiert.

Fest steht: Sollten die zehn Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp letztlich tatsächlich gegen die Fusion mit Tata stimmen, so könnte das Projekt höchstens noch durchgezogen werden, indem Aufsichtsratschef Ulrich Lehner seine Doppelstimme zum Einsatz bringt. In dem stark auf Mitbestimmung ausgerichteten Stahlkonzern wäre das dann wohl so etwas wie ein Kulturbruch.

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