13.09.2017  Erneut massenhaft Krankmeldungen

Der K(r)ampf mit den Air-Berlin-Piloten geht weiter

Lufthansa in Warteposition: Dass ein ehemaliger Lufthansa-Manager an der Spitze von Air Berlin offenbar der Forderung der Air-Berlin-Piloten nach einer Sozialauswahl beim Übergang an den vermutlich neuen Eigentümer Lufthansa nicht nachkommen will, sei eine "abgekartetes Spiel", sagen Piloten
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Lufthansa in Warteposition: Dass ein ehemaliger Lufthansa-Manager an der Spitze von Air Berlin offenbar der Forderung der Air-Berlin-Piloten nach einer Sozialauswahl beim Übergang an den vermutlich neuen Eigentümer Lufthansa nicht nachkommen will, sei eine "abgekartetes Spiel", sagen Piloten

Erneut melden sich viele Piloten bei Air Berlin krank. Die insolvente Airline ringt um die Aufrechterhaltung des Flugbetriebs. Die Gewerkschaft ruft gesunde Piloten zum Arbeitsantritt auf. Der Verdacht, man wolle teurere Air-Berlin-Mitarbeiter schon vor dem Verkauf loswerden, ist aber nicht von der Hand zu weisen.

Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin hat wegen Krankmeldungen zahlreicher Piloten am Mittwoch 32 Flüge gestrichen. Besonders betroffen seien der Flughafen Berlin-Tegel mit sieben und der Flughafen Düsseldorf mit fünf Ausfällen, sagte eine Sprecherin der Fluglinie am Mittwochmorgen. Die weiteren Ausfälle verteilten sich auf verschiedene Flughäfen. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass im weiteren Verlauf des Mittwochs weitere Flüge gestrichen werden müssten.

Der Vorstand der Fluglinie hatte in einem internen Schreiben der Belegschaft mitgeteilt, dass "gegenwärtig 149 Krankmeldungen von Kapitänen und First Officers" vorlägen.

Im Video: Erneut Flugausfälle bei Air Berlin

"Das bedeutet, dass uns am Mittwoch ein ähnliches operatives Desaster wie heute droht. Dies wird uns noch näher an den Abgrund bringen", heißt es in dem Brief von Airline-Chef Thomas Winkelmann und seinen Vorstandskollegen Oliver Iffert und Martina Niemann.

Gewerkschaft ruft gesunde Piloten zum Dienstantritt auf

Bereits am Dienstag hatten sich etwa 200 Kollegen krank gemeldet, mehr als 100 Flüge fielen aus, Tausende Passagiere waren betroffen, unter anderem in Düsseldorf und Köln. Nach Berechnungen der Air-Berlin-Finanzabteilung habe dieser Ausfall die Fluglinie rund fünf Millionen Euro gekostet.

Der Vorstand, die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und der Betriebsrat riefen die gesunden Mitarbeiter dazu auf, zur Arbeit zu kommen. Die Unternehmensführung betonte erneut: "Wir laufen massiv Gefahr, den Investorenprozess, den wir mit dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung begonnen haben, nicht mehr zu einem möglichst positiven Ende zu führen." Um Investoren nicht zu verschrecken und möglichst viele Arbeitsplätze zu retten, sei es "entscheidend, den Flugbetrieb kurzfristig zu stabilisieren".

Die erneuten Turbulenzen kommen für Air Berlin reichlich ungelegen, schließlich drängt die Zeit für einen Verkauf. Massenhafte Ausfälle erwecken bei Interessenten nicht gerade Vertrauen. Bleibe es bei diesem Krankenstand, drohe vermutlich eine vollständige Liquidation der Fluggesellschaft, hatte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus im Intranet des Unternehmens gewarnt.

Sortiert Ex-Lufthansa-Manager teure Piloten schon vorher aus?

Die Pilotengewerkschaft hatte am Vortag den Verdacht geäußert, dass man schon vor einem Übergang von Unternehmensteilen an einen neuen Eigentümer viele Piloten von Air Berlin loswerden wolle. So hatte die Geschäftsführung nach Medienberichten zu Wochenbeginn Verhandlungen zum Übergang von 1200 Air-Berlin-Piloten auf den potenziellen neuen Käufer abgebrochen.

Offenbar will der Air-Berlin-Chef und ehemalige Lufthansa-Manager Thomas Winkelmann der Forderung der teils schon sehr lange beschäftigten Piloten nach einer Sozialauswahl nicht nachkommen. Dies würde nämlich bedeuten, dass viele ältere und hochbezahlte Piloten ihre Jobs beim künftigen Arbeitgeber behalten könnten. Der dürfte sehr wahrscheinlich Lufthansa heißen. Sie will einen Großteil der Maschinen übernehmen, aber die Kosten möglichst gering halten. Verfügt die Airline doch mit ihren Billigtöchtern über ausreichend eigene und günstigere Piloten.

"Für viele von uns hat es das Fass zum Überlaufen gebracht", sagte ein Air-Berlin-Pilot gestern am Dienstag zu "Spiegel Online". "Wir haben den Eindruck, da läuft ein abgekartetes, dreckiges Spiel: zugunsten der Lufthansa-Gruppe." Und Christine Behle, Bundesvorstandsmitglied bei Verdi, erklärte: "Angst und Wut der Air Berliner eskalieren, weil es hier um Existenzen ganzer Familien geht."

Lesen Sie auch: Wie Lufthansa im Fall Air Berlin die Politik austrickst

rei/dpa-afx

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