06.09.2017  Ex-Wunderkind

Lars Windhorst in seiner eigenen Firma entmachtet

Lars Windhorst: "Es gab einige Turbulenzen"
DPA
Lars Windhorst: "Es gab einige Turbulenzen"

Der einst als "Wunderkind der deutschen Wirtschaft" und Helmut-Kohl-Schützling bekannt gewordene Unternehmer Lars Windhorst ist nicht mehr Geschäftsführer der von ihm gegründeten Investment-Holding Sapinda. Er musste bereits am 18. August den Chefposten seiner krisengeschüttelten Amsterdamer Holding räumen. Das berichtet der stern in seiner neuen Ausgabe. manager magazin hatte bereits im November (Ausgabe 12/2016) über die Turbulenzen im Firmenreich von Lars Windhorst berichtet.

Der neue CEO, Karim Sehanoui, ist ein Abgesandter der Investmentgesellschaft ADS Securities aus Abu Dhabi, einem Geldgeber von Sapinda. Sie übernehmen damit die Macht in der Windhorst-Firma. (Windhorsts Firmengeflecht sehen Sie hier).

Windhorst selbst sagte dem stern dazu: "Das ist nur vorübergehend. Meine Wiederwahl als CEO ist für die nächsten Wochen geplant." Es gebe darüber bereits eine schriftliche Vereinbarung. Zu den Gründen, warum er derzeit nicht im Amt ist, wollte er sich nicht äußern.

Seit Monaten kämpft die Sapinda Holding mit Problemen. Unter anderem die Beteiligungen Windhorsts an Kohle- und Öl-Firmen haben für hohe Verluste gesorgt. Als Ende des vergangenen Jahres ein 1-Milliarden-Dollar-Deal mit einem Scheich geplatzt war, verlangten Anleger Geld zurück, viele scheinen das Vertrauen in Windhorst verloren zu haben. Seit Mitte dieses Jahres steht zudem Windhorsts Luxusjacht "Global" zum Verkauf.

Mehrere Gerichtsverfahren gegen Windhorst und Sapinda

In London laufen fünf Gerichtsverfahren gegen Windhorst und Sapinda. Unter anderem fordert die Finanzgesellschaft Romanello aus dem Steuerparadies Belize mehr als 60 Millionen Euro von Windhorst. Laut stern-Recherchen steht am 12. September ein Verhandlungstermin vor dem Handelsgericht an, da Romanello beantragt hat, ein Londoner Konto von Windhorst pfänden zu dürfen.

Der Termin werde "höchstwahrscheinlich gar nicht mehr stattfinden", sagte Windhorst dem stern, man habe sich schon außergerichtlich geeinigt.

Auf die Frage, ob er mit Sapinda kurz vor dem Scheitern stehe, sagte er: "Es gab einige Turbulenzen." Aber er habe die Lage im Griff. "Wir werden dieses Jahr mit einem Gewinn abschließen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass unser Geschäft weniger schwankt. Das ist auf Dauer stressig."

Bereits zweimal, 2004 und 2009, ging der heute 40-jährige Windhorst mit seinen hochriskanten Geschäften pleite, fand aber nach der Sapinda-Gründung 2009 wieder vermögende Anleger, die ihm vertrauten. Manager Magazin berichtete im Frühjahr 2016 über das riskante Comeback eines Hasardeurs.

la/mmo

Nachrichtenticker

Leser-Empfehlungen