14.08.2017  Offerte von Bain Capital und Cinven

Stada fleht um Übernahme

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Stada-Schriftzug an der Konzernzentrale in Bad Vilbel.
REUTERS
Stada-Schriftzug an der Konzernzentrale in Bad Vilbel.

Kurz vor Ablauf der Frist für das milliardenschwere Kauf-Angebot der Finanzinvestoren Bain und Cinven am 16. August mobilisiert der MDax-Konzern Stada die letzten Reserven. So richtet der Beirat des Pharmaherstellers (Grippostad, Ladival) einen flehenden Appell an die Aktionäre: Man habe sich "in einem offenen Dialog mit (...) Bain Capital und Cinven persönlich davon überzeugen" können, "dass es sich bei den Bietern um finanzstarke und verlässliche Partner (...) handelt (...) Ist Nichtstun eine Option? Nein!", schreiben Beiratschef Thomas Meyer, im Hauptberuf Fachapotheker, und sein Vize Frank Leu, im Hauptjob Facharzt für Psychatrie.

Es ist das erste Mal, dass der Beirat im monatelangen Übernahmekampf um Stada derart in Erscheinung tritt. Stada wurde einst von Apothekern gegründet, bis heute sind Apotheker eine der größten Aktionärsgruppen. Normalerweise wendet sich in laufenden Übernahmeverhandlungen nur der Aufsichtsrat an die Aktionäre.

Der Appell zeigt, wie gefährdet der Erfolg der größten Offerte von Finanzinvestoren für ein börsennotiertes Unternehmen in Deutschland seit Jahren weiterhin ist. Am Montag hatten Bain und Cinven mitgeteilt, dass ihnen bis Freitagabend erst gut 34 Prozent der Stada-Aktien angedient worden seien. Damit die Übernahme gelingt, muss bis Mittwochabend eine Annahmequote von 63 Prozent erreicht werden. Für den Fall des Scheiterns winkt der Beirat nun mit der Gefahr der "Zerschlagung". "Ein Scheitern der Übernahme ist die deutlich schlechtere Option."

Vor rund zwei Monaten war der erste Kaufversuch Cinvens und Bains knapp gescheitert. Statt ein Jahr abzuwarten, beantragten die Finanzinvestoren die Befreiung von der einjährigen Sperrfrist und stellten nur wenige Monate später ein erneutes Übernahmeangebot. Jetzt mit neuen Konditionen: Pro Aktie bieten Bain und Cinven nun 66,25 Euro statt den vorherigen 66 Euro. Auch müssen nur noch 63 statt 67,5 Prozent der Aktien eingereicht werden. Aufsichtsrat und Vorstand hatten das verbesserte Angebot bereits im Juli unterstützt.

Trotzdem legte in der vergangenen Woche auch noch einmal der erst seit wenigen Wochen amtierende Vorstandschef Engelbert Willink in einem zweiseitigen offenen Brief an die Aktionäre nach: "Ich bin der festen Überzeugung, dass Stada sich wandeln muss. Nur dann können wir uns im härter werdenden Wettbewerb behaupten. Unter anderem müssen wir stärker integriert agieren und uns globale Strukturen geben, um langfristig erfolgreich zu sein. Mit Bain Capital und Cinven als Eigentümer haben wir sehr gute Möglichkeiten hierfür."

Ein Scheitern der Übernahme hätte mehrere Folgen: Einerseits könne die entgehende Chance Wachstum verhindern. Und auch die schon jetzt bestehende Unsicherheit würde dadurch nur noch größer. Doch vor allem die kurzfristig orientierten Hedgefonds und aktivistischen Aktionäre stellen wohl ein Risiko dar: Denn wegen unbekannter Absichten könne weder eine feindliche Übernahme noch eine nachfolgende Zerschlagung verhindert werden, so Willink. Diese Hedgefonds halten nach früheren Angaben einen Großteil der Anteile an dem Pharmakonzern und hatten sich im ersten Anlauf in der Hoffnung auf ein noch höheres Angebot verspekuliert. Da die Hedgefonds nicht genug Papiere aufgekauft hatten, war die 5,3 Milliarden Euro schwere Übernahme des MDax -Konzerns im Juni gescheitert.

Bain und Cinven, die das Geschäfte von Stada mit Nachahmermedikamenten und rezeptfreien Medikamenten internationalisieren wollen, hatten daraufhin ihr Angebot aufgestockt und die Annahmequote gesenkt. Deutlich weniger Kleinaktionäre als im ersten Anlauf hätten bisher ihre Anteile angedient, sagte ein Stada-Sprecher am Montag. "Der Ball liegt nun im Feld der Hedgefonds".

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