08.08.2017  Seekabel "Nordlink" verbindet Deutschland und Norwegen

Wie Norwegen zur Batterie Europas wird

Aus Südnorwegen berichtet Volker Kühn
Volker Kühn

3. Teil: Wind und Wasserkraft: System zum Austausch erneuerbarer Energien

Auch Schleswig-Holsteins grüner Umweltminister Robert Habeck spricht von einer Win-win-Situation: "Mit Nordlink verbinden wir zwei sich optimal ergänzende Systeme zum Austausch von erneuerbaren Energien", sagte er beim Spatenstich in Wilster.

Durch die Kopplung von Wind- und Wasserkraft sollen saubere Quellen zunehmend konventionelle Kraftwerke bei der Bereitstellung der sogenannten Grundlast ersetzen - also zuverlässig die Menge an Energie liefern, die dauerhaft im Netz benötigt wird.

Dass Nordlink dazu beitragen kann, zeigt die Kapazität des Kabels: Bei voller Auslastung mit 1400 Megawatt kann es gut 2,5 Millionen Haushalte in Deutschland versorgen. Fließt der Strom in umgekehrter Richtung, reicht er für 600.000 norwegische Haushalte - im Norden ist der Verbrauch höher, weil hier auch die Heizungen elektrisch laufen.

Seekabel soll auch Schwankungen an den Strombörsen dämpfen

Länderübergreifende Kabel wie Nordlink dienen aber nicht nur der Versorgungssicherheit. Sie sollen auch die extremen Schwankungen an den Strombörsen dämpfen. Manchmal fallen die Preise dort sogar ins Negative, wenn besonders viel Ökostrom die Netze flutet. Die Kraftwerksbetreiber zahlen dann drauf, um ihre Energie loszuwerden. Der Anschluss an zusätzliche Märkte könnte die Situation entspannen.

Statnett-Projektleiter Auno beobachtet die Arbeiten am Vollesfjord mit einem Kaffeebecher in der einen und dem Handy in der anderen Hand. Er hat wieder die Nordeuropa-Karte aufgerufen. Wie am Vorabend zeigen fast alle blauen Pfeile von Norwegen in die Nachbarländer. Ein typischer Tag, das Land produziert fast ständig mehr Strom, als es selbst verbraucht. Auch Nordlink wird voraussichtlich die meiste Zeit von Nord nach Süd laufen - ähnlich wie ein weiteres XXL-Kabel, das Statnett und National Grid aus Großbritannien derzeit zwischen Norwegen und Schottland verlegen.

Das muss allerdings nicht immer so bleiben. Schreitet der Ausbau der Erneuerbaren weiter so voran wie in den vergangenen Jahren, könnte Strom aus Deutschland immer öfter günstiger als der aus Norwegen werden. Dafür spricht auch der Preisverfall beim Bau von Offshore-Windrädern: Im Frühjahr erklärten die Energiekonzerne EnBW und Dong Energy, beim Bau von drei neuen Windparks in der Nordsee komplett auf Subventionen über die EEG-Umlage verzichten zu wollen.

Ob der Strom nun von Nord nach Süd oder umgekehrt fließt, kann dem Konsortium hinter Nordlink allerdings egal sein. Die Betreiber verdienen in jedem Fall: Sie kassieren einen Großteil der Preisdifferenz zwischen beiden Enden des Kabels.

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