08.08.2017  Seekabel "Nordlink"

Wie Norwegen zur Batterie Europas wird

Aus Südnorwegen berichtet Volker Kühn
Volker Kühn

2. Teil: Wie Norwegen mit Hilfe deutscher Windkraft seine Wasserspeicher schonen kann

Konverterstationen in Tonstad und in Schleswig-Holstein

Bevor der Strom ins Hochspannungsnetz eingespeist und verteilt werden kann, muss er allerdings in Wechselstrom umgewandelt werden. Deshalb baut ABB nicht nur auf norwegischer Seite in Tonstad, sondern auch im schleswig-holsteinischen Wilster die dazu erforderlichen Konverterstationen. Nordlink hat aber noch eine weitere Besonderheit: Das Kabel funktioniert in beide Richtungen. In weniger als einer Stunde kann es vom Import- auf Exportbetrieb geschaltet werden.

Am späten Vormittag strahlt Ragnhild Katteland über das ganze Gesicht. Die Managerin des französischen Kabelherstellers Nexans ist verantwortlich für die Anlandung des Kabels - und das ist soeben unversehrt aus dem Tunnelausgang oben am Fjord gekommen. "Der schwierigste Teil ist geschafft", freut sie sich und beobachtet, wie eine Winde das Kabel nun über die nächsten Meter bis zur Übergangsanlage zieht.

Nexans, nach eigenen Angaben einer der drei größten Kabelproduzenten weltweit, wird Nordlink vom Vollesfjord bis an die deutschen Hoheitsgewässer verlegen. Während die "Skagerrak" mit ihrer gewaltigen Kabeltrommel voranfährt, folgt ihr etwas langsamer die "Polar King", ein Spezialschiff, das die Leitung mithilfe eines Unterwasserschlittens bis zu zwei Meter tief in den Boden eingräbt. Dort ist sie vor den Schleppnetzen der Fischerboote sicher.

"Wenn es über der Nordsee stürmt, kann Norwegen seine Wasserspeicher schonen"

Die Verlegung des Seekabels auf deutscher Seite ist für Sommer nächsten Jahres geplant. Dafür ist das dänische Unternehmen NKT zuständig, das Anfang des Jahres die Kabelsparte von ABB samt dem Nordlink-Projekt für knapp 840 Millionen Euro übernommen hat.

An Land laufen die Bauarbeiten in Schleswig-Holstein bereits, im September war der offizielle Spatenstich in Wilster. Von dort verlaufen die ersten 54 Kilometer bis Büsum als Erdkabel, wobei unter anderem der Nord-Ostsee-Kanal unterquert werden muss. Anschließend geht es als Seekabel durchs Wattenmeer gen Norden.

"Wir kommen gut voran", sagt der zuständige Tennet-Projektleiter Gunnar Spengel. Er sieht in Nordlink die Antwort auf eine der drängendsten Fragen der Energiewende: die schwankende Erzeugung von Wind- und Solarkraft. "Wenn es über der Nordsee stürmt und wir einen Stromüberschuss in Deutschland haben, sodass die Preise fallen, kann sich Norwegen mit günstigem Windstrom versorgen und seine Wasserreservoirs schonen", sagt er. "Und umgekehrt stabilisiert die norwegische Wasserkraft die Versorgung in Deutschland, wenn hier Flaute herrscht."

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