20.07.2017  US-Telekom-Tochter greift an

Jetzt will John Legere die großen Fische

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"Ich liebe es, andere verlieren zu sehen": Man muss John Legere nicht mögen, aber in den USA hat der Chef von T-Mobile US eine einzigartige Entwicklung mit der Telekom-Tochter hingelegt
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"Ich liebe es, andere verlieren zu sehen": Man muss John Legere nicht mögen, aber in den USA hat der Chef von T-Mobile US eine einzigartige Entwicklung mit der Telekom-Tochter hingelegt

John Legere enttäuscht nicht: Ein weiteres Mal steigert der charismatische Chef der Telekom-Tochter T-Mobile US Gewinn und Umsatz in einem Quartal - und ein weiteres Mal gewinnt das Unternehmen viele Privatkunden hinzu. Doch jetzt will Legere den Wettbewerbern Verizon und AT&T die richtig großen Fische abjagen.

John Legere hat es wieder getan, und so mancher Branchenkenner fragt sich mittlerweile, wie lange das noch so weitergehen kann: Seit mehr als vier Jahren steigert der Chef der T-Mobile US die Kundenzahl, den Umsatz und Gewinn. Auch im vergangenen Quartal lieferte Gold-Esel der Deutschen Telekom mehr ab als erwartet:

Um 10 Prozent kletterte der Umsatz auf 10,2 Milliarden Dollar (8,9 Milliarden Euro), um knapp ein Fünftel auf satte 3,0 Milliarden Dollar das bereinigte Vorsteuerergebnis (Ebitda). Die Zahl der Kunden kletterte um 1,3 Millionen, rund 790.000 davon unter eigener Marke. Legere übertraf die Erwartungen damit deutlich.

Flugs hob der Vorstandschef die Prognose für dieses Jahr an: Die Zahl der Neukunden soll im laufenden Jahr zwischen 3,0 bis 3,6 Millionen Neukunden liegen, zuvor hatte Legere von 2,8 bis 3,5 Millionen gesprochen. Auch beim Jahresergebnis (Ebitda) legte Legere noch eine Schippe drauf: Hier stellt T-Mobile US nun zwischen 10,5 und 10,9 Milliarden Dollar in Aussicht.

Nettogewinn steigt um 158 Prozent

Unter dem Strich stieg der Nettogewinn im abgelaufenen Quartal auf 581 Millionen Dollar, was ein Plus von 158 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist. Bei Anlegern kamen die Ergebnisse gut an, die Aktie legte nachbörslich um knapp 3 Prozent zu. Und auch die Aktie der Konzernmutter Deutschen Telekom legte am Donnerstagmorgen um rund 2 Prozent zu.

Viel Geld sammelte Legere in der Vergangenheit durch den starken Zuwachs an Privatkunden ein. Um den "kleinen Mann" lieferte er sich einen erbitterten (Preis)Kampf mit den ungleich größeren US-Wettbewerbern AT&T oder Verizon. Die Rechnung ist aufgegangen, zudem bleiben die meisten Kunden, wechseln nicht, worauf eine im Vergleich extrem niedrige Stornoquote von gerade mal rund 1 Prozent hinweist.

Nun aber hat es Legere verstärkt auf die "großen Fische" abgesehen - die Geschäftskunden. Mit weiteren Investitionen unter anderem in eine bessere Netzabdeckung will die Telekom-Tochter diese lukrative Kundengruppe verstärkt bei der Konkurrenz einfangen, wie Legere laut "Handelsblatt" in einer Telefonkonferenz erklärte.

Bislang stünden bereits 40 Prozent der "Fortune-1000-Unternehmen" bei T-Mobile unter Vertrag. Wechsle nur ein Geschäftskunde, brächte das in der Regel Hunderte bis einige Tausend neue Geräte-Verkäufe mit sich, rechnet der Vorstandschef vor.

Legere über Management-Prinzipien: "Ich liebe es, andere verlieren zu sehen"

rei mit dpa

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