19.06.2017  Amazon greift an, Wal-Mart schlägt zurück

Amazon und Wal-Mart - 2 Riesen auf Kollisionskurs

US-Einzelhandel: Amazon übernimmt Whole Foods für 14 Milliarden Dollar und attackiert damit Wal-Mart. Doch Wal-Mart expandiert zugleich aggressiv im Online-Sektor |
REUTERS, DPA
US-Einzelhandel: Amazon übernimmt Whole Foods für 14 Milliarden Dollar und attackiert damit Wal-Mart. Doch Wal-Mart expandiert zugleich aggressiv im Online-Sektor |

Der Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten. Als der weltgrößte Handelskonzern Wal-Mart im vergangenen Jahr für rund 3 Milliarden Dollar den Online-Händler Jet.com erwarb, war das eine klare Ansage an Amazon: Wal-Mart wollte der Bezos-Company den Markt nicht kampflos überlassen.

Am Freitag kam dann die Antwort von Amazon: Der weltgrößte Online-Händler kauft die Lebensmittelkette Whole Foods für rund 14 Milliarden Dollar. Die Ansage: Man werde Wal-Mart nun in seinem Wohnzimmer angreifen, mit echten Filialen aus der vor-digitalen Handelswelt.

Die beiden Deals verdeutlichen: Die Trennlinie zwischen dem traditionellen Einzelhandel und dem E-Commerce-Sektor verschwimmt. Wer den Markt wirklich beherrschen will, muss sich nicht für das eine oder andere entscheiden: Er muss in beiden Welten mitspielen und eine beherrschende Rolle spielen.

Amazon präsentierte seinen Coup in einem Moment, in dem der Lebensmittelhandel in den USA ohnehin durcheinandergewirbelt wird. Die deutschen Discounter Aldi und Lidl expandieren aggressiv in den USA und setzen damit vor allem Wal-Mart unter Druck, der bislang einen Marktanteil von 22 Prozent in den USA hält.

Mit der Übernahme von Whole-Foods zielt Amazon auf das Herz von Wal-Mart: Lebensmittel. Wal Mart setzt damit knapp 500 Milliarden Dollar pro Jahr um. Wenn Amazon künftig die 460 Filialen von Whole Foods kontrolliert, kann der Online-Angreifer testen, mit welchen Preis- und Lebensmittel-Kampagnen man dem Marktführer in den USA zusetzen kann. Wal-Mart unterhält 4700 Filialen in den USA - 90 Prozent der US-Bürger müssen maximal 10 Meilen fahren, um zum nächsten Wal-Mart-Store zu gelangen. Eine vergleichbare Flächenabdeckung haben Lidl und Aldi in Deutschland längst vollzogen - und ziehen nun weiter in die USA, da Deutschland mit Discountern überversorgt ist.

Amazon attackiert Wal-Mart - und Wal-Mart attackiert Amazon

Im Branchenvergleich gilt Whole Foods als teuer. Branchenbeobachter erwarten jedoch, dass Amazon die Preise bei Whole Foods senken wird, um mit den Produkten in direkte Konkurrenz zu Wal-Mart treten zu können.

Zuletzt hatte sich Wal-Mart mit der Übernahme von Online-Marken wie Moosejaw, Bonobos und Modcloth immer weiter in die Online-Welt vorgewagt und damit ebenfalls die direkte Konkurrenz zu Amazon gesucht.

Zudem hat sich Wal-Mart für einen möglichen Preiskampf im Lebensmittelsektor bereits gerüstet. Wal-Mart hat bereits bei vielen Produkten die Preise gesenkt und die Präsentation der Ware sowie die Frischwaren-Logistik verbessert, um für einen Preiskrieg gegen Aldi, Lidl und Amazon gerüstet zu sein.

Eine Schlüsselfigur in diesem Konkurrenzkampf ist Marc Lore. Der Gründer von Jet.com ist jetzt für die E-Commerce-Offensive bei Wal-Mart verantwortlich. Zuvor hatte er ein Start-up-Unternehmen an Amazon verkauft.

Die Übernahme von Whole Foods durch Amazon ändere nichts an der Strategie von Wal-Mart, sagte Lore am Freitag selbstbewusst. "Wir bleiben in der Offensive."

Von Nandita Bose and Jeffrey Dastin, Reuters

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