07.06.2017  Elektroauto-Rennserie wird zum Big Business

Lautlose Renner - wie die Formel E die Formel 1 überrunden will

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ABT Sportsline

Vor kurzem stand die Grabstätte Napoleons buchstäblich im Mittelpunkt eines höchst lebendigen Spektakels: Auf einem knapp zwei Kilometer langen Kurs rasten eine Stunde lang 20 Rennfahrer 49 Runden lang um den Pariser Invalidendom. Sie saßen in Rennwagen, die beinahe identisch aussahen. Doch statt Motorenlärm und Abgaswolken hörten die tausenden Zuseher nur ein leises Zischen, als sich die Autos näherten und in Hochgeschwindigkeit Luft verdrängen. Und ein helles Kreischen war nur leise zu vernehmen, wenn einer der Fahrer vor einer Kurve in die Eisen stieg.

Es war ein fast schon stummes Autorennen, das da bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen am 20. Mai in Paris stattfand. Und die Ruhe hat System: Denn bei der Rennserie Formel E, die an diesem Tag eines ihrer zwölf Rennen dieser Saison abhielt, kommen ausschließlich Elektroautos zum Einsatz.

Seit drei Jahren gibt es die Rennserie nun. Die einstige Nischenveranstaltung mauserte sich in kurzer Zeit zur Mainstream-Veranstaltung, woran der internationale Motorsportverband FIA durchaus seinen Anteil hat. Denn die FIA, seit Jahrzehnten der internationale organisatorische Deckmantel der Formel 1, hat die Formel E 2014 aus der Taufe gehoben. Am kommenden Wochenende findet das nächste Formel E-Rennen in Berlin statt.

Führend in der Formel E: Sebastien Buemi vom Team Renault
DPA
Führend in der Formel E: Sebastien Buemi vom Team Renault

Doch anders als in Frankreich dürfen die Zuschauer in Berlin nicht im Stadtzentrum bleiben - sie müssen nach Tempelhof fahren, um die E-Boliden auf dem ehemaligen Flughafengelände im Kreis fahren zu sehen. Denn anders als im Vorjahr hat Berlin diesmal die Zustimmung zu einem Stadtrennen entlang der Karl-Marx-Allee verweigert.

BMW und Audi sind ab der nächsten Saison dabei

Unter die Zuschauer in Berlin dürften sich auch einige hochrangige Automanager von Deutschlands Luxusautoherstellern mischen. Bislang waren BMW , Audi und Mercedes noch eher zurückhaltend mit ihrem Sponsoring der Elektroauto-Rennen.

Das ändert sich in der nächsten Saison: Da werden BMW und Audi fix mit eigenen Werksteams antreten. Daimler hat sich zu einem festen Engagement in dem E-Rennzirkus zuletzt nicht geäußert. Die Option darauf, in der kommenden Rennsaison mit einem eigenen Team zu starten, haben sich die Stuttgarter jedoch gesichert.

Ganz billig wird dies vermutlich nicht - doch auch längst nicht so teuer wie ein Formel 1-Engagement. Denn die Formel E macht einiges anders als die vermeintliche Motorsport-Königsdisziplin, um die Massen anzusprechen - und die Wettkämpfe zwischen den Teams nicht zur sauteuren Materialschlacht ausufern zu lassen.

Zum einen suchen sich die Organisatoren für die Elektroauto-Rennen möglichst Rundkurse mitten im Stadtzentrum aus. Das bringt die Motorsport-Veranstaltung viel näher zu den Kunden- und auch die Sponsoren. In Paris dürften zehntausende Besucher das Rennen im Zentrum besucht haben. Wer keine Tribünenkarten hatte, bei denen ein Platz gerne mal 1000 Euro und mehr kosten kann, kam dennoch auf seine Kosten.

Denn neben der Rennstrecke war die "Allianz e-Village" aufgebaut, eine Ansammlung von Ständen rund um Elektromobilität und neue Technologien. Renault, die PSA-Luxusmarke DS oder Jaguar boten dort einen Ausblick auf künftige Elektromodelle. Renninteressierte konnten dort im Rennsimulator um die Wette fahren, in 3D-Druckern Logos der Allianz drucken lassen oder auf einem Standfahrrad fahren und so eine Saftpresse für einen Smoothie betreiben.

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