12.06.2017  Steuerpläne des US-Präsidenten

Wie Trump den deutschen Mittelstand verschreckt

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Trump auf Auslandsreise: Für deutsche Mittelständler wäre eine "Border Adjustment Tax" besonders gefährlich
AP
Trump auf Auslandsreise: Für deutsche Mittelständler wäre eine "Border Adjustment Tax" besonders gefährlich

Ahnungslos, rüpelhaft, niveaulos: Auf seiner ersten Auslandsreise zeigt US-Präsident Donald Trump seinen Gastgebern, dass er keine Ahnung von europäischer Handelspolitik hat - und dass er auch keine Rücksicht auf seine Handelspartner zu nehmen gedenkt. Im Rest der Welt sorgt die "America First" Doktrin des Präsidenten für große Sorge: Bei seinem Besuch in Brüssel hatte Trump sich mit den Worten "Die Deutschen sind böse, sehr böse" erneut über die Außenhandelsüberschüsse Deutschlands beklagt. Wie stark Trumps Isolationismus auch deutsche Unternehmen treffen kann, zeigt die Diskussion um die so genannte "Border Adjustment Tax" (steuerlicher Grenzausgleich). Diese hätte für deutsche Unternehmen gravierende Folgen, da durch diese Steuer ihre Produkte auf dem wichtigen US-Markt in Zukunft stark verteuert würden.

Die Auswirkungen einer solchen Steuer lassen sich an einem Beispiel darstellen.

Die Ausgangslage: Ein deutsches Unternehmen verkauft ein Produkt (das in Deutschland hergestellt wird) für 100 US-Dollar an seine Vertriebsgesellschaft in den USA. Die US-Vertriebsgesellschaft verkauft das Produkt für 110 US-Dollar an Kunden in den USA.

Was ändert sich? Ist bislang nur die Differenz zwischen den Anschaffungskosten und dem Veräußerungspreis - im Beispiel 10 US-Dollar - in den USA steuerpflichtig, soll es nach der Reform der volle Veräußerungspreis - im Beispiel 110 US-Dollar - sein. Die Steuerlast für Exportwaren steigt damit stark an. Dies kann zu immensen Wettbewerbsnachteilen für exportierende deutsche Unternehmen führen.

Bei der Vorstellung seiner Steuerpläne hat US-Präsident Trump die Border Adjustment Tax zwar nicht erwähnt. Das heißt aber nicht, dass sie damit vom Tisch ist. US-Finanzminister Steven Mnuchin hat schon gesagt, dass die US-Administration derzeit prüft, ob die Border Adjustment Tax in einem zweiten Schritt realisierbar ist. Da die Gegenfinanzierung für Trumps Steuerreform noch völlig unklar ist, könnte die Border Adjustment Tax in abgewandelter Form doch noch kommen wird - beispielweise, indem sie über mehrere Jahre gestreckt eingeführt wird oder bestimmte Produkte davon ausgenommen werden.

Günstige Textilien etwa spielen für viele Einzelhändler in den USA - eine große Rolle. Nicht umsonst laufen gerade die großen US-Einzelhandelsketten wie Wal-Mart Sturm gegen die Border Adjustment Tax. Da Textilien und Bekleidung jedoch nur einen verhältnismäßig kleinen Anteil an den deutschen Exporten in die USA haben, würden deutsche Unternehmen von einer solchen Ausnahme nur begrenzt profitieren. Umso stärker könnte die Steuer auf Maschinenbauer und Zulieferer, die Maschinenteile oder Vorprodukte in die USA liefern, durchschlagen.

Deutsche Unternehmen sollten sich daher überlegen, wie sie ihre globalen Wertschöpfungsketten und ihre internen steuerlichen Verrechnungen an die Auswirkung der Steuer anpassen könnten, um im Fall der Fälle schnell handlungsfähig zu sein. Steuerexperte Marko Gründig sieht sowohl die global tätigen Dax-Konzerne wie auch Mittelständler und Familienunternehmen von einer "Border Adjustment Tax" betroffen - für den Mittelstand könnten aber die Folgen noch gravierender sein.

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