18.05.2017  Norwegischer Konzern prescht vor

Dieser autonome Elektrofrachter soll nächstes Jahr ablegen

Von
AFP / YARA INTERNATIONAL ASA

Im Rennen um das erste elektrische angetriebene und autonom fahrende Frachtschiff prescht der norwegische Düngemittelkonzern Yara vor. Schon im kommenden Jahr soll die "Yara Birkeland" starten - das nach Angaben des Unternehmens erste derartige Transportmittel.

Im ersten Jahr wird der Frachter demnach noch von Personen gesteuert, 2019 und 2020 wird er nach Wunsch der Eigner in einen vollautomatischen Modus wechseln. Ausgestattet wird das Schiff mit Sensoren und Antriebstechnik vom norwegischen Rüstungskonzern Kongsberg.

Die Strecke, die der Frachter zurücklegen soll ist äußerst kurz. Vom Produktionsstandort Porsgrunn in Südnorwegen geht es in die benachbarten Städte Brevik und Larvik.

Bisher bringen Lastwagen die Düngemittelerzeugnisse über den etwa 12 beziehungsweise 30 Kilometer weiten Landweg zu den Exporthäfen. Über das Meer ist die Strecke mit 13 beziehungsweise 55 Kilometern etwas länger, doch dafür werden nach Yaras Angaben 40.000 Lastwagen-Fahrten pro Jahr vermieden. "Mit dem neuen Schiff vermeiden wir Lärm und Emissionen", sagte Yara-Chef Svein Tore Holsether.

Das 70 Meter lange Schiff soll maximal etwa 10 Knoten schnell sein (18 Stundenkilometer), die übliche Geschwindigkeit wird bei 6 Knoten liegen (11 Stundenkilometer). Es wird Angaben von Kongsberg zufolge 100 bis 150 Container transportieren können.

Die verbaute Batterie speichert 3,5 bis 4 Megawattstunden Strom. Zum Vergleich: Ein vollausgestattetes Elektroauto von Tesla hat eine 0,1-Megawattstunden-Batterie (100 Kilowatt). Die Be- und Entladung übernehmen konsequenterweise elektrische, vollautomatische Kräne.

Die Norweger sind nicht die Einzigen, die sich in emissionsfreier und unbemannter Schifffahrt versuchen. Forscher des Technik-Unternehmens DNV GL haben ein Schiff für kurze Strecken entwickelt, das ohne Besatzung auskommt und elektrisch fährt. Dazu wurde ein Modell des Schiffes im Maßstab 1:20 in Norwegen getestet.

Auch der britische Schiffsmotorenhersteller Rolls-Royce arbeitet an derartigen Konzepten. Rolls-Royce führt ein Forschungs-Konsortium mit Sitz in Finnland an, das autonome Schiffe deutlich voranbringen soll. Großes Interesse an der Technik zeigt unter anderem Maersk, die größte Reederei der Welt.

Auch Japan möchte Roboterschiffe auf den Markt bringen. Dazu wollen Konzerne wie Mitsui O.S.K. Lines, eine der größten Reedereien der Welt mit Sitz in Tokio, und Nippon Yusen zusammenarbeiten und bis 2025 die selbstfahrenden Schiffe zu Wasser lassen.

Nachrichtenticker

Leser-Empfehlungen