27.04.2017  New Yorker Shortseller legt nach

Gotham-City-Gründer Yu plant weitere Attacken auf Sanierungsholding Aurelius

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Vorbild Batman: Der Hedgefonds "Gotham City" hat seine Leerverkaufsposition wieder aufgestockt
DPA
Vorbild Batman: Der Hedgefonds "Gotham City" hat seine Leerverkaufsposition wieder aufgestockt

Vier Wochen nach der ersten Attacke steigert der New Yorker Shortseller Gotham City den Druck auf die Münchener Sanierungsholding Aurelius wieder. "Wir haben unsere Leerverkaufsposition kürzlich erhöht", sagte Yu dem manager magazin in seiner am Freitag (28. April) erscheinenden Ausgabe. Auch in Zukunft wolle Gotham "weitere Erkenntnisse zu Aurelius publizieren", sagte Yu.

Gotham City hatte am 28. März seinen ersten Report zu Aurelius ins Internet gestellt, in dem der Shortseller Aurelius' Bilanzierungsmethoden hinterfragte und die Bewertungen der Unternehmensbeteiligungen als viel zu hoch angriff. Die Aurelius-Aktie sei de facto nur 8,56 Euro wert.

Obwohl Aurelius alle Vorwürfe zurückwies, stürzte der Aurelius-Kurs von zuvor 65 Euro zeitweise um die Hälfte ab. Gotham löste daraufhin den Großteil seiner Leerverkaufsposition von 0,8 Prozent auf und strich Schätzungen zufolge einen Gewinn in mittlerer einstelliger Millionenhöhe ein.

In dem Interview mit dem manager magazin wirft Yu, CEO und Gründer von Gotham City, Aurelius-CEO Dirk Markus nun vor, in einer Telefonkonferenz mit Analysten am 29. März gelogen zu haben. Markus hatte - so berichteten es mehrere Finanzmedien - auf mehrfache Analystenfragen offenbar geantwortet, er könne die Höhe seines aktuellen Aurelius-Anteils aus rechtlichen Gründen derzeit nicht offenlegen.

Aurelius-Chef weist Vorwürfe scharf zurück

Eine Sprecherin der Finanzaufsicht BaFin stellte laut manager magazin klar, dass Vorstände jederzeit über ihre Anteile an ihrem Unternehmen Auskunft geben dürfen. "Wenn in den USA ein CEO eines Unternehmens so offen lügt, hat das Konsequenzen", sagte Yu. "Warum schreitet die Finanzaufsicht BaFin nicht ein?" Markus und der Vorstand Gert Purkert hatten im Dezember "Directors Dealings"-Pflichtmitteilungen veröffentlicht, wonach sie Aurelius-Aktien für 169 Millionen Euro veräußert haben.

Markus lässt hierzu über seinen Anwalt mitteilen, er weise den Vorhalt der Lüge "scharf zurück". Es sei "unzutreffend", so der Anwalt, dass Markus in der Telefonkonferenz "behauptet haben soll, er könne die Höhe seiner aktuell gehaltenen Aurelius-Anteile aus rechtlichen Gründen nicht offenlegen".

"Good home" für kranke Unternehmen?

Aurelius sei zudem nicht das "good home" für kranke Unternehmen, als das Dirk Markus es darstelle, sagte Yu. "Womöglich ist Aurelius eher ein niederträchtiges Krankenhaus, das die Organe seiner Patienten verkauft, mit Gewinn verkauft und diese Patienten später, wenn sie im Sterben liegen, in das Hospiz eines befreundeten Sterbehelfers überführt."

Markus' Anwalt verweist hierzu auf eine frühere Stellungnahme von Aurelius: Demnach sei "unzutreffend", dass Aurelius Töchter an nahestehende Personen verkaufe. Lediglich manchmal seien die Käufer Manager, die Aurelius aus früheren Projekten kenne.

Gotham City investiere keine Anlagegelder Dritter und verkaufe auch keine Informationen an andere Anleger, sagte Yu. "Wir investieren nur unser privates Geld." An der Aurelius-Analyse habe ein Team bestehend aus Yu und "mindestens einer weiteren Person" acht Monate gearbeitet.

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