24.04.2017  Schutzgeld für Werk in Syrien

Warum der Chef des Zementriesen LafargeHolcim gehen muss

Geht in gut zwei Monaten: Eric Olsen, Vorstandschef von LafargeHolcim.
Lafarge
Geht in gut zwei Monaten: Eric Olsen, Vorstandschef von LafargeHolcim.

Der Chef des französisch-schweizerischen Zementriesen LafargeHolcim, Eric Olsen, hat seinen Rücktritt Mitte Juli angekündigt. Interne Ermittlungen hätten ergeben, dass in Syrien in den Jahren 2013 und 2014 Gelder zum Schutz eines Zementwerks geflossen waren, die Empfänger der Summen aber nicht mit Sicherheit festgestellt werden konnten, wie das Unternehmen, das rund 90 000 Menschen beschäftigt und zuletzt etwa 27 Milliarden Schweizer Franken umsetzte, am Montag mitteilte.

Internen Ermittlungen zufolge ist Olsen zwar nicht in die Affäre verwickelt und war damals auch nicht informiert, wie er selbst am Montag betonte. Sein Rücktritt solle aber dabei helfen, dass bei LafargeHolcim wieder Ruhe einkehre.

Enthüllt hatte die Affäre im vergangenen Sommer die französische Zeitung "Le Monde". Demnach profitierte von den Zahlungen des Lafarge-Zementwerks in Dschalabija, etwa 150 Kilometer nordöstlich von Aleppo, vor allem die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Das französische Wirtschaftsministerium sowie mehrere Organisationen verklagten den Konzern daraufhin wegen Terrorismusfinanzierung sowie Umgehung von EU-Sanktionen gegen die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

LafargeHolcim startete eine interne Ermittlung. Im März räumte der Konzern ein, das Zementwerk habe Geld an Dritte gezahlt, das bewaffneten Gruppen zukam, gegen die wiederum Sanktionen verhängt waren. Gleichzeitig betonte der Konzern, die politische Lage in Syrien habe es erschwert, das Zementwerk und seine Beschäftigten zu schützen. Es sei letztlich "nicht mit Sicherheit" festzustellen gewesen, an wen das Geld tatsächlich floss.

Lafarge aus Frankreich und Holcim aus der Schweiz hatten 2015 fusioniert. Seitdem steht der US-Franzose Eric Olsen an der Spitze des Konzerns. Er werde seinen Posten am 15. Juli räumen, teilte LafargeHolcim am Montag mit. Die Suche nach einem Nachfolger habe begonnen.

AFP/soc

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